Informationen und Impulse für das Corona-Zeitalter

Juni 2020

In Zeiten von Corona denkt Sergio Benvenuto über den Menschen und das Böse nach. Er beleuchtet unter anderem warum linke Gedanken mit Umweltparteien gut zusammenpassen. Zuerst einmal weist der italienische Philosoph und Psychoanalytiker Sergio Benvenuto darauf hin, dass es unter den Philosophen eine Art Grabenkampf gibt, ob Corona nun als eine „natürliche“ oder doch eher „soziale Tatsache“ betrachtet werden sollte. Die Pointe folgt auf dem Fuße, denn er selbst lehnt solche Betrachtungsweisen ab. Stattdessen begibt er sich auf die Suche nach dem „Bösem in unserer Tradition des Denkens“.   Böse & gut Sergio Benvenuto betint, dass in der westlichen Philosophie das Bestreben – „nicht an das Böse zu glauben“– stets recht dominant war. Allerdings stellt er dem gegenüber, dass das Leben und die Welt nun einmal voller Schmerz, Ungerechtigkeit und Übel ist. Wiederum nimmt das Böse für viele Philosophien den Status einer Illusion ein. Letzteres, gilt dabei neuerdings aber auch für die „Zeit an sich“. Zumindest in der

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Die Figuren in den Romanen des niederländischen Autors stecken ständig in Krisen. Aus der durch Corona ausgelösten Krise lässt sich erkennen, wie wertvoll das Leben ist, meint Leon de Winter.   Eine TV-Serie über einen Virus Leon de Winter hat sich viele Gedanken über Viren gemacht - und das seit etwa zehn Jahren. Warum? Weil er an einer TV-Serie über einen Virus schreibt. Doch: „Es ist seltsam, wenn es real wird. Wenn es deine Kopf verlässt und Realität wird“, sagt der 66-Jährige in einem Video der „Deutschen Welle“. Fünf bis zehn Jahre schreibe er an einem Buch, schreibt „RP Online“ einmal in einem Porträt des Schriftstellers. Während der Corona Krise sitzt Leon de Winter in seinem Haus in Holland. Was er in den Corona Zeiten am meisten vermisse sei die Leichtigkeit des Alltagslebens in der westlichen Welt: Einfach in einen Laden gehen, herumlaufen, rumhängen. Sorglos sein und nicht in den Menschen, die man treffe, eine Bedrohung sehen. Dies

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Caleb Smith unterrichtet als Professor "English and American Studies" an der Yale University. Irina Dumitrescu ist Professorin für mittelalterliche Literatur in Bonn. Letzteres erklärt die Erwähnung von Dämonen in ihrem gemeinsamen Essay „The Demon of Distraction“.   Irina Dumitrescu und Caleb Smith schildern Gedankengänge, welche während der ersten Wochen und Monate unter Corona entstanden. Diese sortieren sich hier zu einem Gesamtgefüge, welches die Stimmung jener Zeit einfängt, während zugleich Vergleiche und Begriffe aus dem Frühmittelalter eingefügt werden. Allerdings weist sie in ihrem eigenwillig charmanten Essay erst einmal darauf hin, dass bei ihren eigenen und allerersten Gedanken zur Pandemie, sie Bilder wie aus amerikanischen Kinofilmen vor dem inneren Auge sah: Also Schließung offener Räume, Reiseverbote und militarisierte Grenzkontrollen. Es wurde dann aber doch anders und dieses Andere, bestehend aus ewig erscheinenden Tagen oder dann wieder schnell vorbeihuschenden Zeitabschnitten, das beschreibt sie detailliert. Bereits hier lässt sich sagen, weder die kalifornische Filmindustrie noch mittelalterliche Dämonen lassen grüßen, sondern

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Ein in der spanischen Zeitschrift „Vida Nueva“ veröffentlichter Artikel von Papst Franziskus thematisiert die Corona Krise und gibt hierzu konkrete Empfehlungen seitens der katholischen Kirche.   Jedoch handelt es sich in dem besagten Artikel von Kirchenoberhaupt Papst Franziskus nicht um eine mit „Virologen abgestimmte Exit-Strategie“. So unterstreicht es die offizielle Website des Vatikans zumindest. Stattdessen geht der Papst die Sache recht menschlich an. Es verweist das Oberhaupt der katholischen Kirche in diesem Zusammenhang auch direkt auf den auferstandenen Jesus. Denn dieser erklärte Frauen, welche sein Grab besuchten, dass sie sich freuen sollen, denn nicht weniger als die Frauen an sich und mit ihnen die ganze Menschheit würden eben da zu einem neuen Leben auferweckt. Eine Szene mit einem tieferen Sinn, welche Papst Franziskus durchaus gerne wählt. Dies gilt dann erst recht in Zeiten von Corona. Weiterhin weist das kirchliche Oberhaupt laut Viticannews darauf hin, dass Menschen nicht alleine sind, sondern der Herrgott stets auf deren Weg

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Der deutsche Philosoph und Bestsellerautor argumentiert in einem Interview mit der FR Sachen Corona politisch und sieht die gesellschaftlichen Chancen in der Krise. Zu den Chancen der Corona Krise kommt Richard David Precht später. Zuerst einmal ist da dieses Stakkato des „Schneller, Höher, Weiter, Mehr“, welches dem Starphilosophen aufstößt. Er begrüßt es daher, wenn das jetzt durch Corona endet, denn „eigentlich geht es auch ohne“. Der deutsche Philosoph mag den Gedanken, dass wenn wir hier und da langsamer rudern oder dass einiges vom jetzigen Stillstand auch längerfristig so bleibt. Als Beispiele führt er an, dass die innerdeutschen Flüge durchaus für immer eingestellt bleiben können. Zudem hätten sich diese schon vor Corona wirtschaftlich nicht gerechnet. Darüber führt er an, dass das freundliche und symbolische Klatschen für Pflegekräfte zwar schön und gut sei, aber darüber dann auch die vielen Pflegerinnen und Pfleger anständig bezahlt werden sollten. David Precht geht aber schließlich noch weiter und stellt die Ökologie als

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Trinley Thaye Dorje warnte bereits frühzeitig vor Corona. Sprach er in einer ersten Botschaft von einem weltweiten Change, so gibt er jetzt präzisere Empfehlungen. Nachdem Trinley Thaye Dorje, beziehungsweise der 17. Karmapa, einleitend feststellt, dass sich das Coronavirus weiterhin auf der ganzen Welt verbreitet, kommt er recht zügig zu seiner Kernaussage: „Deshalb sollten wir alle - ohne Nervosität oder Panik - alle erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen und vorbeugenden Maßnahmen treffen. Allerdings ist die Kernkrankheit meiner Meinung nach sowohl ein Geist voller Angst vor der Krankheit als auch eine Tendenz, fälschlicherweise zu denken, dass wir niemals krank werden oder sterben sollten.” Im Anschluss an diese buddhistische Herangehensweise, führt er weiter aus: „Um solche Ängste und Missverständnisse zu vermeiden, ist es sehr wichtig, ständig über die vier großen Siegel nachzudenken. Ich möchte Sie alle ermutigen, sich diesen Rat zu Herzen zu nehmen. Meinerseits bete ich ständig zu den drei Juwelen und den Dharma-Beschützern und biete meine besten Bestrebungen für

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Nach Ansicht des russischen Autors zeigt die Globalisierung in Zeiten von Corona ihre Schwäche und es wird viele schwerwiegende Veränderungen geben. Sorokin hat auch einen ganz besonderen Quarantäne-Tipp parat.   Der russische Schriftsteller und beinharte Systemkritiker Vladimir Sorokin hält die Corona Pandemie für einzigartig, weil sie „unsere mächtige und fortschrittliche Welt“ überfallen habe. Er vergleicht sie im Interview mit dem Eisberg, der ein Leck in das legendäre Passagierschiff „Titanic“ schlägt und es schließlich zum Sinken bringt. Eben so habe Corona ein Leck in die globale Welt geschlagen - mit ungewissem Ausgang

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Nach Monaten der durch Corona verursachten Krise wirken die Menschen müde. Der Soziologe vermutet, dass uns allen die Energie ausgegangen ist. Hartmut Rosa, seines Zeichens renommierter Soziologe und Politikwissenschaftler, lässt in einem  Zeit-Interview seine Gedanken um das Thema Corona weit zirkulieren. Ist es nun ein Burn-out oder eine Energieausbruch – oder beides? Zuerst einmal beginnt Rosa mit dem US-amerikanischen Soziologen Randall Collins. Jener breitet in seinem Werk den Begriff der emotionalen Energie aus. Daneben wird der Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt erwähnt. Letzterer hat ein Konzept sozial zirkulierender Energie vorgeschlagen, welche beispielsweise auch von den Werken Shakespeares ausgehen soll. Außerdem wir der französische Philosoph Tristan Garcia erwähnt, nach dem sich in modernen Gesellschaften ein intensives Leben zum Standard entwickelt hat. Last but not least wird auf Lévi-Strauss verwiesen, der sogar von heißen und kalten Gesellschaften spricht. Unmengen von Energien – lassen uns staunen Soziale Energie, drückt sich nach Rosa, in rasenden Gesellschaften durch eine andauernde Aktivität aus. Der Soziologe stellt

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Für den spirituellen Lehrer ist Corona eine besondere Lektion für unseren Geist. Eckhart Tolle verweist als spiritueller Lehrer darauf, dass sich viele Menschen vor der Krise rund um Corona ängstigen. Er erläutert als Hilfe die sogenannte Meditation der Achtsamkeit. Zuerst einmal beginnt er aber den Umstand zu hinterfragen, dass viele Menschen das aktuelle Geschehen als negativ, schlecht oder böse bewerten. Er verweist dabei auf Shakespeare, von dem das Zitat stammt: „Nothing is ever good or bad, but thinking made it so.”     Ein geistiges Experiment – für die Zeit von Corona Tolle erläutert, dass sich viele unglücklich machen, indem sie nicht bemerken, dass der Geist jeglicher Situation etwas hinzufügt. „Wir kommentieren und bewerten ständig. Aber das, was passiert, ist erst einmal das, was passiert.“ Es geht also seiner Meinung nach darum, etwas weder als gut noch schlecht zu interpretieren. Schlussendlich soll also der „Moment an sich“ wahrgenommen werden. "Selbst wenn du nicht erkrankst oder dich mit dem Virus infizierst, die Angst

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Wörter wie Maskenpflicht oder Kontaktsperre erinnern an dunkle Zeiten. Diskursforscherin Ruth Wodak erläutert die Zusammenhänge – unserer Wörter. Zeiten ändern sich. Wörter und damit unser Wortschatz auch. „Zum einen haben wir eine Krise und zum anderen wird diese durch ein neues Vokabular begleitet", sagt Wodak. Sie fährt fort, dass man aktuell über die „Reproduktionszahl" diskutiert oder sich fragt, wie lange „Social Distancing" noch nötig ist. Oder ob und wie die „Maskenpflicht“ nützt oder sich „Risikogruppen“ besser schützen lassen. Vor allem stolpert Ruth Wodak über den Begriff „Herdenimmunität“. Dieser lässt seltsame Konnotationen zu, zum Beispiel ob wir nun nur noch alle als Tiere wahrgenommen werden.   Wie im Krieg Daneben unterstreicht sie die allgemeine Kriegsmetaphorik. Angeführt wird, dass es in den USA einen „War on Terror“ und einen „War on Drugs“ gab. Jetzt ist dort wie auch bei uns von einem „War on Virus“ die Rede. Wir befinden uns im Krieg, so oder ähnlich sagte es der  französische Präsident

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