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Der Biophilia-Effekt – Rezension zu einem Buch zur Pandemie von Clemens Arvay

Clemens Arvay ist österreichischer Biologe und Sachbuchautor mit Schwerpunkt Ökologie und Gesundheit. Mit seinem Bestseller „Der Biophilia-Effekt“ hat er bereits zuvor einen Bestseller über Waldmedizin herausgebracht.

Nun beschäftigt er sich mit dem Thema Corona zu einem frühen Zeitpunkt der Pandemie. Damit können dann auch einige seiner Thesen zur Entstehung und dem Umgang mit der Pandemie damit entschuldigen werden.

Das Buch birgt zwei nahezu separate Teile. Der erstere beschäftigt sich mit der Gesundung bzw. mit der Stärkung unseres Immunsystems in der Natur. Interessant und gut nachvollziehbar mit hinterlegten Studiendaten legt Arvay seine Theorien von den positiven Einflüssen der Natur auf unsere Widerstandskraft dar. Da lesen wir über bioaktive Pflanzenstoffen wie den Terpenen, welche einer Gruppe von Pflanzenstoffen angehören, die die Immunabwehr von Bäumen und des gesamten Ökosystems stärken. So verwundern die von Arvay aufgeführten Versuche nicht, in denen das Immunsystem von Menschen nach Aufenthalten im Wald aktiviert wird. Dabei steigt die Anzahl der im Blut messbaren natürlichen Killerzellen im Blut nur nach Spaziergängen im Wald, aber nicht bei denen in städtischer Bebauung an.

 

Rudimtär – und doch spannend

Die Erklärungen unseres Immunsystems sind leider etwas rudimentär, die Zusammenhänge kann der nicht naturwissenschaftlich vorgebildete Leser nicht einfach nachvollziehen. Sicherlich hat der Leser schon von T-Zellen und ihren Untergruppen in Zeiten der Pandemie gehört. Bei Arvay werden dann Kofferwörter wie Granzyme verwendet, deren Funktion er dem Leser nicht erklären kann oder will. Dies ist schade, da diese Moleküle in der Tat Bestandteile in der den Kettenreaktionen unseres Immunsystems sind. Sie können als Botenstoffe sogar eine Apoptose, also Selbsttötung von Krebszellen oder auch mit Viren infizierten Zellen induzieren.

Diese Zusammenhänge bleiben zwar im Verborgenen, dafür erfahren wir aber von 10.000 oder mehr Elektoaerosolen pro Kubikmeter Luft, welche sich an Wasserfällen, in der Meeresbrandung oder nach einem Regenfall in der Waldluft befinden. Arvay postuliert hier eine positive Wirkung auf Entzündungen im menschlichen Körper. Selbst Bodenbakterien aus der Natur werden immunregulatorische Wirkungen zugesprochen. Und all das fehlt in unseren Städten. Wunderbar, wie er weitere Argumente für eine Begrünung unserer Städte aufführt. Sogar Studien, die einen Vorteil bei Heilverläufen durch einen Ausblick ins Grüne oder auf Beton nachweisen werden zitiert, das ist lesenswert.

Im Buch werden zudem Zusammenhänge zwischen der Schwere von Virusinfektionen mit SARS-CoV-2 und der Luftverschmutzung aufgeführt, sicherlich wird das Virus in engen Städten schneller weitergegeben. Letztendlich mag an Arvays These einer Stadtbevölkerung mit umweltbedingt verminderter Immunabwehr sogar etwas dran sein, aber die laufende SARS-CoV-2 Pandemie lässt sich weder durch im Wald baden, ökologische Ernährung noch einen Umzug aufs Land abwenden.

 

 

Leider falsch

Ausmaß und Bedeutung der SARS-CoV-2-Pandemie hat Arvay bei der Fertigstellung des Manuskripts zu diesem Buch, obwohl er Biologe ist, völlig falsch eingeschätzt. Er spricht (damals) noch von Übertreibungen der Bedeutung des Corona-Virus. Eine Pandemie die bereits im ersten Jahr nach ihrem Auftreten weltweit 2,5 Millionen Tote und mehr als 100 Millionen Corona-Infektionen mit teilweise bleibenden Folgeschäden fordert, kann man nicht kleinreden. Und das versucht Arvay im gesamten ersten Teil seines Buches und kritisiert dabei immer wieder fehlende Evidenzen. Die Buchtexte lassen ihn letztlich als Impfgegner erscheinen, während Teleskop-Zulassungsverfahren als gefährlich dargestellt werden. Letzteres sind sie sicherlich auch, jedoch scheint dieser Umstand langfrsitig das kleinere Übel sein. Vor allem die Faktenlage im Februar 2021 lassen weite Passagen von Arvays Ausführungen dnn leider mittelalterlich wirken.

Schade, dass dabei so gute Informationen wie zur Biodiversität und Beispiele von autarken Biohöfen bei Wien und Berlin untergehen. Eine Neuauflage all der guten Ansätze unter einem aktualisiertem Blickwinkel auf die Corona-Pandemie würde das Buch wieder lesenswert machen.

 

Rezension

Wir können es besser

Clemens.G. Arvay

Quadriga, 8/20

S 272, EU 20

 

 

 

Dieter Mainka

Im Februar 2021

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