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Corona-Impfungen: Für wen ist welcher Impfstoff geeignet?

Endlich sind die neuen Impfstoffe da. Damit zeigen die Corona-Impfungen einen oder den Ausweg aus der Pandemie. Dabei ist ein Wirkungsgrad von 95 Prozent zum Schutz vor Todesfolgen längst nicht notwendig. Und dann ist da noch die Frage, ob Geimpfte andere anstecken können. Es sei bereits gesagt: ja.

Aber erst einmal zu den Fakten: Anfang Februar werden über 100.000 Corona-Tote pro Woche weltweit registriert. Weltweit waren bis Anfang Februar 2021 insgesamt über 2,3 Millionen Menschen mit oder an Corona innerhalb von einem Jahr verstorben. Deutschland erlebt über 60.000 Corona-Tote in einem Jahr, davon verstarb der größte Teil innerhalb der letzten drei Monate. Die USA haben bisher über 450.000 Corona-Opfer aufzuweisen.

 

Corona-Impfstatus im Februar

In Deutschland sind am 8. Februar rund 3,5 Millionen Menschen, also knapp drei Prozent der Bevölkerung, geimpft. Am 10. Februar sind bei anhaltendem Lockdown ohne Ausgangssperre die Zahl der Neuinfektionen rückläufig von über 24.000 auf zuletzt ca. 8.000 pro Tag und die 7-Tage Inzidenz auf 68 gesunken.

Täglich versterben aber in Deutschland trotz Lockdown mehrere Hundert Menschen an oder mit Corona. Die Impfungen sind somit der Ausweg aus der Pandemie. Zwar können sich Geimpfte an SARS-CoV-2 infizieren, der Verlauf ist aber meistweniger schwer und kaum tödlich. Möglicherweise fällt die tägliche Todesrate auch bereits aufgrund der bereits erfolgten Impfungen, welche ja überwiegend die besonders vulnerablen Gruppen in den Altersheimen erhalten haben.

Erste Daten des Israelischen Gesundheitsdienstes Maccabi zeigen bereits in den Tagen 13 bis 21 nach der ersten BioNTech-Impfdosis einen etwa 60-prozentigen Rückgang der Erkrankungszahlen. Nach der zweiten Dosis dieses Impfstoffes erreicht die Impfung auch in den Daten aus Israel, wo bereits Anfang Februar etwa 85 Prozent aller über 60-Jährigen geimpft sind, einen Schutz von rund 95 Prozent.

 

Wirkungsgrad der Corona-Impfungen

Die SARS-CoV-2-Impfstoffe wirken verschieden und haben auch sicherlich verschiedene Nebenwirkungen und einen unterschiedlichen Wirkungsgrad. Wichtig für alle Impfstoffe, und das trifft für alle zugelassenen zu, ist, dass sie bei möglichst vielen Impflingen eine Immunreaktion gegen SARS-CoV-2 hervorrufen. Das heißt, dass Antikörper gegen das Virus gebildet werden. Vielleicht noch wichtiger ist die Entwicklung spezieller Gedächtniszellen gegen SARS-CoV-2, sogenannter spezifischer T-Zellen. Diese werden durch die Impfung angeregt und steuern bei SARS-CoV-2-Infektion später die Immunantwort.

 

Ziel der Corona-Impfung:  Vermeidung schwerer Verläufe oder Todesfälle

Insgesamt ist eine genaue Messung der Impfwirkungen schwierig. Wesentlich für den Einzelnen ist die Vermeidung der COVID-19 Erkrankung und deren Folgen, also die Vermeidung von schweren Verläufen mit Komplikationen und Todesfällen. Die hauptsächliche Anforderung an den Impfstoff ist es, den Menschen vor der Erkrankung zu schützen, die Vermeidung jeglicher Infektion ist dazu nicht notwendig.

Natürlich ist das schade für nicht geimpfte Menschen. Die bisherigen zugelassenen Impfstoffe scheinen nicht zu einer sterilen Immunität zu führen, auch wenn es Hinweise gibt, dass sie zu einer Verminderung der Viruslast führen können. Geimpfte können das Virus also weitertragen, eine Herdenimmunität kann nur mit einer hohen Impfrate in der Bevölkerung erreicht werden.

 

Corona-Geimpfte, Ansteckungsgefahr aufgrund fehlender steriler Immunität?

Beim Impfstoff von AstraZeneca war während der Testungen an Affen bereits aufgefallen, dass auch geimpfte Affen SARS-CoV-2-Viren im Bereich der Atemwege genauso wie nicht Geimpfte tragen können. Es entsteht durch die Impfung bei Primaten also keine sogenannte sterile Immunität. BioNTech hat in seiner Zulassungsstudie z.B. erst gar keine Angaben zur Reaktion der Antikörper bei den Impflingen beigelegt. Auch sind für die Impfungen von BioNTech und Moderna keine Daten zu Untersuchungen an Primaten über mögliche Virusträgerschaft auch nach erfolgten Impfungen zugänglich.

 

Weniger Viren in den Atemwegen Corona-Geimpfter

Erste Ergebnisse des Impfstoffes von BioNTech beziehungsweise der dementsprechenden Corona-Impfungen sprechen für eine gewisse Unterdrückung der Virusvermehrung im Nasen- und Racheraum bei Impflingen bei Kontakt mit SARS-CoV-2-Viren. Wahrscheinlich sind Geimpfte zumindest weniger infektiös als Ungeimpfte. Auch der Impfstoff von AstraZeneca scheint eine Reduktion der Virusausscheidung zu bewirken. Erste Studienergebnisse erschienen in „Preprints with the Lancet“.

Kurz, ein geimpfter Schaffner in einem Zug oder die geimpfte Sängerin auf einer Hochzeitsfeier können andere Menschen auch weiterhin zu bestimmten Zeitpunkten infizieren. Geimpfte sind dabei möglicherweise sogar für Ungeimpfte besonders tückisch, weil sie wenige oder keine Symptome der Infektion zeigen. Tückisch ist dabei auch der Umstand, dass ein Teil der Geimpften glaubt, keine Infektion übertragen zu können. Daneben halte Ungeimpfte diese Gruppe für ungefährlich. Wichtige und hilfreiche Schutzmaßnahmen werden daher in diesen Fällen möglicherweise unterlassen.

 

Corona-Impfung:
Was bedeuten 50, 60 oder 95 Prozent Schutz gegen SARS-COV-2

95 Prozent Schutz dank Impfung? Das klingt erst einmal gut, aber Firmen, welche mittels dieser Zahlen Produkte vermarkten, haben nicht zwangsweise das bessere Produkt als andere mit niedrigerem Ergebnis in der Zulassungsstudie.

Wie lässt sich das erklären? In verschiedenen Studien gibt es Unschärfen in der Definition des Begriffs „Schutz“. Die Auslegung von „Schwere Verläufe“ ist dehnbar. Der scheinbar einzige harte Parameter ist: Tod des Studienteilnehmers in Folge von SARS-CoV-2. Selbst da werden die Ergebnisse dadurch beeinflusst, wie gut die Behandlung bei einer schweren Infektion mit bisher zur Verfügung stehend Maßnahmen und Medikamenten erfolgt. Die gleiche Impfung wird bei maximaler Versorgung nicht Geimpfter weniger Schutzeffekte zeigen. So können bei gleicher Substanz und gleichen Altersgruppen die Ergebnisse in Brasilien oder Indien zu denen in Großbritannien unterschiedlich ausfallen.

Also bei maximaler medizinischer Versorgung während einer Covid-19-Infektion in Großbritannien ist der Impfeffekt auf den Studienendpunkt Tod möglicherweise geringer. In der Gruppe mit Placebo versterben möglicherweise in Großbritannien weniger Menschen als in Indien, der Impfeffekt erschien geringer. Auch können die Wirkungen eines Impfstoffes in Abhängigkeit zum durchschnittlichen Alter der Impflinge unterschiedlich ausfallen.

 

Gilt der Impfschutz auch für mutierte Corona-Viren?

Ja. Für die britische Variante B.1.1.7, die durch ihre höhere Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch die bisherigen Corona-Typen wahrscheinlich rasch ablösen wird, besteht durch die beiden mRNA-Impfstoffe Wirkung. Der Impfstoff von AstraZeneca schützt ebenfalls davor. Allerdings ist in Großbritannien bereits eine veränderte Form der britischen Variante B.1.1.7 nachgewiesen worden.  Firmen wie AstraZeneca, CureVac, GSK, Moderna und BioNTech arbeiten bereits an möglichen sogenannten Auffrischungsimpfungen, um gegebenenfalls die Impfstoffe rechtzeitig anzupassen.

Bei den bisherigen Tests im Labor mit von Geimpften gebildeten Antikörpern und den Virusvarianten aus Südafrika und Brasilien fiel die neutralisierende Antikörperreaktion etwas schwächer aus. Die mRNA-Impfstoffe lassen sich aber kurzzeitig auf neue Varianten anpassen. Das ist ein großer Vorteil dieser neuen Impfstoffgruppe. Die BioNTech-Gründer sprechen von etwa sechs Wochen Zeit für solche Veränderungen an der Impfung.

Die Impfstoffe von BioNTech sind auch gegen die südamerikanische Variante wirksam. Für den AstraZeneca-Impfstoff gilt als belegt, dass die Wirksamkeit gegen die Britische Virusvariante hochwirksam ist, obwohl die Titer für neutralisierende Antikörper neunfach niedriger als bei den normalen Corona-Viren des sogenannten Victoria-Stamm. Die südafrikanische Regierung hat die Impfung des von AstraZeneca aus Indien gelieferten Impfungen wegen angeblich zu geringer Wirksamkeit ausgesetzt. Der Konzern behauptet, dass schwere Verläufe trotzdem verhindert werden, der Schutz vor leichteren Verläufen bei der südafrikanischen Variante B1.351 in der Tat aber nur begrenzt sei. Für B1.1.28P.1 aus Brasilien liegen noch keine belastbaren Daten vor.

 

Escape-Varianten des Corona-Virus
und der Impfschutz

Wenn Viren eine bestehende Immunantwort ihres Wirtes durch eine Veränderung in ihrer Erbsubstanz aufgrund von Mutationen umgehen, nennt man das eine Escape-Mutation oder auch Fluchtmutation. Die vorhandenen Antikörper können nicht mehr an die neuen Varianten binden.

Die Menschen stecken sich noch einmal mit einer Mutante des SARS-CoV-2-Virus an. In Brasilien gibt es Regionen wie z.B. um Manaus, in denen bereits 50 bis 70 Prozent mit SARS-CoV-2 infiziert waren. Nun steigen die Infektionen dort trotzdem wieder an, bereits früher Infizierte scheinen nicht genügend Schutz gegen neue Varianten des Corona-Virus zu besitzen und infizieren sich erneut. Dieses Phänomen scheinen die Varianten B1.351 in Südafrika und B1.1.28P.1 in Brasilien auszulösen. Die brasilianische Variante ähnelt dabei laut RKI der südafrikanischen. Auch in Deutschland wurden beide Varianten bereits nachgewiesen.

In Großbritannien ist jetzt nach Berichten des Public Health bereits eine weitere Mutation der britischen Mutante B.1.1.7 nachgewiesen worden. Sie wird E484K genannt. Es wird von einer Escape-Mutation ausgegangen. 11 von 200.000 Proben sind betroffen. Antikörper binden sich schlechter an die Spike-Proteine dieser Variante.

 

Wichtigstes Ziel einer Corona-Impfung: Gesund bleiben

Ja, das Ziel der Impfungen ist die Vermeidung von schweren Verläufe bei SARS-CoV-2-Infektionen mit ihren Komplikationen und Todesfolgen.

Und bei der Frage, ob durch Impfung auch ein Schutz der nicht geimpften Bevölkerungsanteile entsteht gilt folgende Antwort: Es ist von einer geringeren Übertragungsrate von Viren durch Geimpfte auszugehen. Somit entsteht ab einem bestimmten Anteil der Bevölkerung mit Impfschutz eine Barriere, die Infektionsraten müssten abnehmen. Die Daten aus Israel werden in den nächsten Wochen zeigen, ob dies für den Impfstoff von BioNTech so auch zutrifft. Über 60 Prozent der israelischen Bevölkerung ist im Februar bereits geimpft.

 

Mit der Impfung die Corona-Pandemie stoppen –
ohne die Bevölkerung wegzuriegeln

Mit dem Wissen über Mutanten, Zweitinfektionen durch Escape-Formen ist folgendes zu statuieren: Die Pandemie lässt sich zunächst zwar lokal und regional durch Schutzmaßnahmen eindämmen. Solange das Virus aber in anderen Regionen der Erde weit verbreitet ist, wird es immer neue Mutanten ausbilden und auch immer wieder in scheinbar geschützte Regionen einbrechen. So wie die Grippe. Eine weltweite Durchimpfung mit potenten, gegen mehrere Mutanten des SARS-CoV-2-Virus wirksamen Impfungen ist notwendig, um die Pandemie auf längere Sicht aufzuhalten oder sogar zu beenden. Das scheint nur mit der Weitergabe der Impfstoffbaupläne an alle Länder der Welt mit entsprechender Lizensierung möglich zu sein. Wenn die reichen Länder das nicht finanzieren werden sie ihre Bevölkerung immer wieder einsperren müssen.

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