Informationen und Impulse für das Corona-Zeitalter
 

Mängel beseitigen? Mögliche Corona-Erfolgsmodelle

Corona? Das ist ein Virus, sondern eine Krise. Und eben auch eine Angelegenheit mit vielen Chancen für die Zukunft. Wir begeben uns aber erst einmal ganz pragmatisch auf eine Zeitreise.

 

Um gleich einmal in die Situation einzusteigen: Viele Menschen bevölkern die Erde, alle noch nicht Infizierten können Überträger von SARS-CoV-2 werden. Wir lernen gerade, diese immer besser zu unterbinden. Bei Covid-19-Infektionen verbessern wir die Diagnostik und die Behandlung täglich. Dabei treten örtlich und zeitbegrenzt natürlich Mangelzustände auf – sei es an Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken oder am viel zitierten Toilettenpapier. Zur Behebung der Versorgungsengpässe hilft die  künstliche Intelligenz nicht richtig weiter. Menschenverstand ist gefragt und rasche Entscheidungen.

Desinfektionsmittel

Ende Februar 2020 wurden die Desinfektionsmittel aufgrund des erhöhten Verbrauches knapp. Die Behörden reagierten darauf und erlaubten allen Apotheken die Herstellung von Biozidprodukten.

Diese Information hat inzwischen Arztpraxen und Krankenhäusern erreicht. In Apotheken hergestelltes Desinfektionsmittel wird in Großbehältern angeliefert, so dass die Praxen ihre Desinfektionsbehälter wieder auffüllen können. Kurzum: Die Versorgung ist dezentral sichergestellt.

Für die Händedesinfektion können in der Apotheke hergestellte alkoholische Lösungen gemäß Standardzulassung 2 Propanol 70 Prozent (v/v) oder Äthanol-basierte WHO-Formulierung I oder Propanol-haltige Formulierung II verwendet werden. Produkte mit dem Wirkspektrum ‚begrenzt viruzid PLUS‘ und ‚viruzid‘ sind gegen SARS-CoV-2 wirksam. In den Listen des Robert-Koch-Institutes sind die Produkte aufgeführt.

Desinfektionsmittel sparen – Seife statt Desinfektionsmittel

Inzwischen haben Arztpraxen und Krankenhäusern außerhalb von Eingriffsbereichen die Händereinigung gegen die Verbreitung des SARS-CoV-2 wieder von Desinfektionsmittel auf Seife umgestellt. Der Schutz ist der gleiche, aber mit Seife hautfreundlicher. Seifen reduzieren die Oberflächenspannung des Wassers, somit gelangt es besser auch zu versteckten Hautbereichen und löst auch dort das Virus ab.

Die in allen Seifen enthaltenen Tenside zerstören die Fetthülle der Viren. Tipp: Viel Seife für 20 bis 30 Sekunden einrubbeln, auch die Fingerzwischenräume und Fingernägel. Wasserhahn mit Ellenbogen schließen, Einmalhandtücher oder persönliches Handtuch benutzen. Waschraumtür mit Ellenbogen schließen. In unserer Praxis bleiben die Türen offen.

Alkohol für Desinfektionsmittel aus Brauereien: Brauereien entziehen bei der Herstellung von alkoholfreien und alkoholreduzierten Bieren dem Bier den Alkohol. Dieser soll jetzt zur Herstellung von Desinfektionsmittel in großen Mengen bereitgestellt werden, um die Versorgung zu sichern.

Herstellung und Bedienung von Beatmungsgeräten

In Deutschland ist die Firma Dräger Spezialist für Beatmungsgeräte. Die Bundesregierung hat frühzeitig Dräger mit der Herstellung von 10.000 Beatmungsgeräten mit einem Lieferplan bis Ende 2020 beauftragt. Bereits seit Januar 2020 liefert Dräger 400 einfache Beatmungsgeräte nach China, diese Kapazitäten sind jetzt frei. Das Gerät benötigt nur eine Steckdose und erzeugt Atemluft aus Raumluft mit gegebenenfalls Sauerstoffanreicherung aus einer Flasche.

Zusätzliche Reserven von 5000 Geräten in Deutschland lassen sich aus der Anästhesie, Rettungsdiensten und durch die Wiederinbetriebnahme von älteren Geräten mobilisieren. Die Einarbeitung von weiterem Personal an den Atemgeräten hat in den Krankenhäusern frühzeitig Anfang März begonnen. Durch das rasche Herabfahren der Bettenbelegung war Zeit für Schulungen.

 

Wertschöpfungsketten intakt halten

Wenn die Staaten Protektionismus betreiben, gibt es für niemanden mehr weitere neue Beatmungsgeräte und deren Zubehör. Die Teile werden in verschiedenen Ländern hergestellt und lassen sich nicht rasch durch nationale Produktion ersetzen.

Versorgung mit Corona-Atemschutzmasken

Die Bundesregierung hat Mitte März Millionen von Atemmasken und Schutzanzügen in China geordert, dort werden die Kapazitäten in der Produktion gerade wieder frei. Ein großer Teil der Lieferungen wurde bereit eingeflogen und ist bereits an Praxen und Krankenhäuser unbürokratisch verteilt worden. FFP2 und FFP3 werden ausschließlich für Pflegepersonal und Ärzte empfohlen, sie sollten nicht von der Allgemeinheit gehamstert werden. Für den privaten Gebrauch gibt es inzwischen Nähanleitungen im Internet.  Suchen Sie sich zum Beispiel unter „Mundschutz selbst nähen“ entsprechende Vorlagen aus und nähen Sie sich eine Maske.

Einfache Masken schützen den Träger bis zur Durchfeuchtung für kürzere Zeit, zum Beispiel Ältere für die Zeit eines Einkauf. Sie schützen aber die Umgebung vor dem Virentransport Infizierter über Aerosole beim Husten und Sprechen. Alle Menschen mit Erkältungen sollten zur Zeit in der Öffentlichkeit eine Maske tragen – zum Schutz anderer.

Die amerikanischen Behörden verteilen einen Auftrag über 500 Millionen Atemmasken. Die Franzosen haben als erste einen Exportstopp für Schutzausrüstungen verhängt, die anderen Regierungen sind nachgezogen. Deutschland hatte bisher kaum Produktionsstätten für Masken. Sie setzen auf Importe eben aus China.

 

Power im Pflegebereich, genügend Ärzte, Krankenhäuser massiv aufgerüstet

In Deutschland hat die Bundesregierung die Krankenhäuser verpflichtet, die Versorgung von großen Patientenzahlen an Covid-19 schwer Erkrankter sicherzustellen. Die Kliniken haben daher seit März 2020 nur noch notwendige Prozeduren und Eingriffe durchgeführt. Für frei stehende Betten bekommen sie 560 Euro am Tag erstattet. Die Zeit im März wurde für mehrere Maßnahmen genutzt: zur Erhöhung der Intensivkapazitäten, zum Anlernen von weiterem Personal für die zusätzlich eingerichteten Beatmungseinheiten und zur Spezialisierung  des Krankenhausbetriebes für Covid-19-Erkrankte.

Ein Drittel der Betten der Berliner Charité war Ende März 2020 leer. Ähnliche Verhältnisse herrschen in den anderen Krankenhäusern in Deutschland. Ein Schutzschirm der Bundesregierung ersetzt allen Kliniken die entgangenen Einnahmen im Kassenbereich. Für jede neu geschaffene Beatmungseinheit werden 50.000 Euro sofort dem Krankenhaus zugewiesen, manche Kliniken haben die Beatmungsplätze verfünffacht.

Bereits zuvor gab es in Deutschland mit 30 pro 100.000 Einwohner etwa dreimal so viele Beatmungsplätze wie in Spanien oder Italien. Die deutschen Universitätskliniken haben im März 2020 ein neues Netzwerk zur Bündelung von Informationen über Covid-19 gegründet. Bei den vielen sinnvollen Einschränkungen müssen aber notwendige Prozeduren aufrecht erhalten werden, vor allem  Krebsbehandlungen, notwendige kardiale Diagnostik und Therapie sowie die Kapazitäten für nicht verschiebbare Operationen.

All diese Maßnahmen sollen italienische Verhältnisse verhindern. In Italien müssen im März 2020 über 70-jährigen vorerkrankten Covid-19-Patienten Intensivbehandlungen aufgrund von Mangel vorenthalten werden. Wichtig für die Kliniken ist, dass die ambulante Versorgung von an SARS-CoV-2-Infizierten aufrecht erhalten bleibt, zur Reduktion der Einweisungen in Kliniken. Pflegepersonal in Altenheimen ist noch unzureichend mit Schutzmaterial zum Eigenschutz und Schutz der Heimbewohner ausgerüstet.

 

Corona: Ausstattung mit Toilettenpapier und Hygieneartikeln

Zuerst einmal: Es besteht kein bedeutender Mangel. Es heißt, die Deutschen seien analfixiert und daneben zur Sauberkeit erzogen. Das Resultat: Toilettenpapier kauften sie im März in etwa doppelter Menge, gleichzeitig stockte der Nachschub aus China. Dort werden Bäume aus Deutschland zu Toilettenpapier verarbeitet und dann in dieser Form zurückgeliefert. Die großen Containerschiffe sind wieder unterwegs. Und einige können anderen abgeben, bis alle wieder ausreichend versorgt sind.

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