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Deutsche Covid-19-Medizin, eine Punktlandung

So hat sich die Medizin auf Covid-19 eingestellt: in slow motion, aber high end intensiv.

Die meisten waren tapfer, einige nicht. Im März 2020 legte die Bundeskanzlerin in ihrer Ansprache die Risiken einer Covid-19-Infektion dar und begründete die Maßnahmen der Regierung. Daraufhin brach die Börse ein und im Medizinbetrieb sank der Personalstand. Und ja, an manchen Tagen geschah dies alles auf nahezu wunderbare Weise im prozentualem Einklang.

 

Sicherheitshalber arbeitsunfähig

Und das, obwohl diese zur systemrelevant erhobene Berufsgruppe doch allabendlich vom Balkon aus vom Volk mit Applaus bedacht wurde und die Medien sie zu den wahren Helden erhob.  Obwohl Extravergütungen in Aussicht gestellt wurden, verabschiedete sich ein Teil der Mitarbeiter erst mal aus dem Dienst im Gesundheitswesen. Meist mit einem gelben Schein. Nicht Kurzarbeit mit 60 bis 67 Prozent Lohnauszahlung oder Entlassung, sondern gesund zu Hause bei den Kindern bei 100 Prozent Lohn.

Gestresste Hausärzte ohne Schutzkleidung stellten Krankschreibungen bei kleinen Argumenten aus. Triftige Argumente waren: Großeltern sind aus der Kinderbetreuung heraus, Kita und Grundschule geschlossen, es gibt keine richtige Notgruppe oder das Kind will da nicht hin. Dazu etwas Gliederschmerzen –  arbeitsunfähig. Beim Ehepartner auf der Arbeitsstelle wurde jemand positiv auf SARS-CoV-2 getestet – arbeitsunfähig. Große Angst bei exponierter Arbeitsstelle – arbeitsunfähig. Schilddrüsenunterfunktion, vielleicht Risikogruppe – sicherheitshalber arbeitsunfähig.

 

 

Medizin reagiert auf Corona

Die medizinische Versorgung in Praxen und Kliniken wird den neuen Gegebenheiten angepasst und nicht Notwendiges verschoben. (Bildquelle Adobe Stock)

 

Medizinische Behandlungen auf das Notwendige reduziert

Die meisten aber blieben tapfer an der Front. Der Betrieb in den Krankenhäusern war per Erlass auf das Notwendigste reduziert. Die Belegung der Kliniken senkte sich – wie von Politikern vorgeschrieben und mit finanziellem Ersatz versehen – auf etwa 60 Prozent. Aber es geht noch weiter, denn auch die ambulante Medizin schrumpfte in ihren Leistungen deutlich

Die Armada an Spezialisten für orthopädische Probleme, plastische Chirurgie, Venenleiden, chronischen Schnupfen, regelmäßige Herzüberwachung wie auch für Kieferregulierung, professionelle Zahnbetreuung oder Rehabilitation mit Golfen und therapeutisches Reiten wird zunächst nicht mehr benötigt. Darüber hinaus sind auch die Spezialisten für Igel-Leistungen an Augen, Schwangeren, Menschen mit Krebsangst und Manageruntersuchungen derzeit ohne Kunden.

Die differenzierten, gut informierten, gesunden und sportlichen Älteren blieben direkt zu Anfang dem Medizinbetrieb fern. Gerade Menschen mit privatem Versichertenstatus meiden die Ärzte wo immer es geht, um sich zu schützen. Arbeitsaufwand und Umsatz im Medizinbetrieb brechen in vielen Bereichen deutlich ein. So war der anfängliche Schwund an Personal gut zu verkraften und in so manchem Betrieb teambildend.

 

Gute Zeitabstimmung beim Personal

Das ändert sich im April 2020: Die politische Diskussion über Zwangsverpflichtungen für medizinisches Personal und die langsam absehbare, längere Zeitdauer des Sonderzustandes mit drohendem Krankengeld nach sechs Wochen, sowie die sinnvolle Änderung für Kita-Notgruppen, die Zugang auch für Kinder von Eltern vorsah, von denen nur ein Teil in einem systemrelevanten Beruf tätig ist, führt das verlorene Personal überwiegend den Medizinbetrieben wieder zu.

Angestellte mit Grunderkrankungen und höherem Alter können jetzt von exponierten Einsatzorten, wie etwa einer Covid-19-Station, in andere Bereiche tauschen.

Der anfängliche Personalschwund zeigt jetzt einen nahezu tieferen positiven Sinn: Die auf dem Arbeitsplatz Gebliebenen konnten die Versorgung in kleineren Gruppen gut aufrechterhalten, die wieder Hinzugekommenen sind ausgeruht und bereit zu Wiedergutmachung.

Da sich zu Anfang besonders in Aufnahmebereichen von Kliniken durch noch unzureichende Schutzmaßnahmen ein erheblicher Teil des Personals an SARS-CoV-2 infizierte, sind diese jetzt in Quarantäne und durch die wieder Hinzugekommen ersetzbar. Wenn Ende April 2020 die Spitze der ersten Coronawelle ansteht, sind auch diejenigen aus den Osterferien wieder auf ihren Posten. Eine gute Zeitabstimmung.

 

Rechtzeitig Maßnahmen ergriffen

Der März wurde für Weiterbildung und Training zur Versorgung von Covid-19-Patienten genutzt, zur Erweiterung der Intensivkapazitäten und zur Vernetzung. Divi, ein bundeseigenes Internetregister über verfügbare Beatmungsplätze, wurde geschaffen. Gesundheitsämter und Hausärzte hatten Zeit, ihre Kapazitäten für Covid-19-Erkrankte zu erweitern.

Eigene Behandlungszentren für Covid-19-Erkrankte wurden eingerichtet. In den Behörden wurde zur Nachverfolgung von Infektionsketten extra Personal abgestellt. außerdem wurden Medizinstudenten eingestellt. Kliniken und Praxen erkannten bereit im März 2020 den Bedarf an Schutzkleidung und Masken, im April wurden sie von Regierung, Behörden und einem dynamischem Markt mit steigenden Mengen versorgt. Teilweise strategische Meisterleistungen.

Freizügiger Zugang zu medizinischem Wissen über die Covid-19-Erkrankung einschließlich neuester Erkenntnisse über Herzbeteiligung, Lungengefäßmikroembolisierungen und neuroangiologische Veränderungen im Herzlungenkreislauf verbessern die Ergebnisse unserer Intensivmedizin. Auf breiter Front konnten die Optionen zur optimalen Versorgung schwer Erkrankter eingeübt werden.

 

Medizin reagiert auf Corona

Vielfältige Maßnahmen helfen, die Zahl der Patienten in den Kliniken zu reduzieren. (Bildquelle Adobe Stock)

 

Kliniken entlastet

Die Hausärzte versorgen währenddessen die Patienten mit leichteren Verläufen, auch die Weiterbehandlung von Patienten mit Herzkreislauf-Erkrankungen und Krebs erfolgt in gewohnter Qualität.

Anders als in vielen anderen Ländern werden auch mittelschwere Fälle mit Symptomen wie Fieber nicht grundsätzlich den Kliniken zugewiesen, diese werden somit entlastet. Den Kliniken bleibt somit genug Kapazität zur gewohnten Versorgung von anderen Notfällen wie Herzinfarkt, Knochenbrüchen und Krebs in hoher Qualität.

Und da sich R0, also die Reproduktionsrate, welche anzeigt, wieviele Menschen jeder Infizierte ansteckt, durch den Lockdown von Anfang März von 3,0  auf 1,0 Mitte April gesenkt hat, werden Ende April die  Zahlen von Covid-19-Erkrankten in den Kliniken nicht mehr steigen. Eine deutsche Punktlandung kurz vor Erreichen der bereits deutlich erweiterten Intensivkapazitäten in unserem Land.

 

Fazit: Medizin mit Punktlandung

Slow motion high end intensiv ist eine Medizin mit Zeit zum Nachdenken, Zeit zur Pflege und Zeit zur Bereitstellung maximaler Technik einschließlich einer künstlichen Lunge für Covid-19-Patienten. Optimierbar sind die Kontaktmöglichkeiten von Erkrankten zu ihren Nächsten, auch da lernen alle rasch dazu.

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