Informationen und Impulse für das Corona-Zeitalter
 

Die Zukunft – nach SARS-CoV-2

Ein Résumé. Ein Blick in die Glaskugel. Und eine erste Definition der kommenden Generation Corona.

2019? Das war ein im positiven Sinne modernes Jahr. Trotz steigender Weltbevölkerung nahm die Zahl von hungernden Menschen ab. Das wurde mit dem weiteren Wachstum der Industrie begründet. In den alten Industrienationen stieg der Anteil der erneuerbaren Energien, in den neuen der CO2-Ausstoß. Darüber hinaus war endlich auch in den Entwicklungsländern ein Großteil der Bevölkerung online mit der Welt vernetzt, womit zugleich auch dort das Hamsterrad des Konsums angelaufen war. Ferngesteuerte Drohnen konnten uns beliefern, aber auch beobachten und dann waren da noch die ersten mit Strom getriebenen Flugzeuge im Test.

Andererseits stiegen die globalen CO2-Emissionen, die Temperaturen, die Massentierhaltung und dies alles trotz Fridays for future. Aber letzteres waren erst einmal nur mediale Ausrufe und so wurden die schmerzlichen Schritte zu allgemeinen wie auch speziellen Reduktionen erst einmal auf die kommenden Generationen verschoben. Entsprechend stieg auch die Temperatur auf unserer Erde wie auch die Massentierhaltung und der Verbrauch an Pestiziden.

Das Leben änderte sich nicht besonders, weshalb denn auch die tägliche Arbeitszeit hoch blieb. Ein weiteres Mal versuchte die Welt dann auch der Generation Z (mitsamt ihrer Lessness) eben dafür gefügig zu machen. Der berufliche aber auch der private Präsenzdruck hatte mit den neuen Kommunikationswegen ein hohes Maß erreicht. In Firmen und Politik stand die eigentliche persönliche Zukunft der Entscheider nicht direkt auf dem Spiel. Themen im Jahr 2019 waren letztlich die Erderwärmung, der Borkenkäfer und die Trockenheit in Deutschland wie auch selbstfahrende Elektroautos, Sonnenenergie aus Afrika, künstliche Intelligenz und Feinstaub. Soweit so gut – denn all dies war nur ein lockeres Vorspiel für 2020!

 

(Bildquelle Pixabay)

The Change

Im Jahr 2020 ist so manches ganz anders. Eigentlich sogar alles! Der Feinstaub in den Städten kommt jetzt nicht mehr aus unzureichenden Katalysatoren, sondern wird von den Äckern der ländlichen Umgebung hineingeweht. Die Entscheider achten bei ihren Anweisungen auch auf die direkten Auswirkungen auf sich und ihre Liebsten und die Gehirnregion zur Verarbeitung von Emotionen, das limbische System, ist mehr involviert. Für den überwiegenden Anteil der Menschheit bestehen im April 2020 noch Ausgangssperre in unterschiedlichem Ausmaß, Grundgesetze sind durch Seuchenmaßnahmen ausgesetzt. Ganze Konzerne werden aus dem Homeoffice gelenkt und vor allem können neue Botschaften und Argumente wichtiger werden als der Status der Teilnehmer.

Grundlegendes ändert sich bereits während dieser Krisenzeit, das Virus zwingt zu einem globalen Innehalten, fast so wie bei Ankunft einer außerirdischen unsichtbaren Macht. Plötzlich macht der Corona-Lockdown saubere Luft und fast autofreie Städte sowie für viele weniger Arbeit. Wir erleben eine Implosion der persönlichen leiblichen Kontakte, die nähere häusliche Umgebung wird nur zusammen mit nächsten Menschen erkundet, unsere Empfindungen werden von Nahem geprägt. Und viele haben plötzlich Zeit. Fast ein Zurück um 12.000 Jahre. Vor Beginn des Ackerbaus zogen die Menschen in autarken Gruppen bis 100 Mietglieder durch ihre nähere Umgebung, als Jäger und Sammler kamen sie auf eine Arbeitszeit von täglich  etwa vier Stunden. Jetzt werden sogar viele ohne Arbeit ernährt, die Kurzarbeiter haben zu verzichten und die Bauern müssen fleißig bleiben. In der jetzigen  Separierungsphase entdecken die Menschen ihr näheres Umfeld, nur wichtige Kontakte erfolgen physisch, die kleine Gruppe plant ihr eigenes Überleben. Im Großen zwingt das Virus die Menschheit zum Zusammenhalten bei der Entwicklung von Impfstoff und Medikamenten und bei gleichzeitiger „sociale Distance“. Kein Staat übernimmt eine Führungsrolle – und keine Weltmacht hat ein virales Abwehrsystem bereit.

 

Ein Vorgeschmack auf morgen

Mit Milliarden und nochmals Milliarden Euro hilft Deutschland den wirtschaftlich von Corona Geschädigten erst einmal weiter. Diese Schulden sollen innerhalb von 20 Jahren vom Volk zurückgezahlt werden. Aber dann soll 2021 und erst recht danach alles so weiter gehen wie gehabt. Kann ein vermögendes Land seine Industrie ohne Zulieferer und Abnehmer überhaupt wieder in die alte Form hochfahren? Oder ist ein globales Innehalten möglich, ändern sich die Warenströme ähnlich wie die Gedankengänge? Wird das limbische System in uns Menschen wieder bedeutender? Viele Menschen, auch Manager und Politiker haben während des „Shutdown“ in kurzer Zeit viel über ihre Nächsten erfahren, und auch das Gefühl etwas zu vermissen, so manche Nähe. Vieles andere war auf einmal verzichtbar – wie etwa Reisen, Konferenzen, enge Taktung, Prestigeobjekte und Prunkfeiern. Termine, Termine. Jetzt gilt „plötzlich“ für überraschend viele: slow living, slow budget. Und dazu gesellt sich dann noch der gemeinsame Wunsch nach physischen und unbeschwerten Kontakten.

 

(Bildquelle Pixabay)

Wir wagen den Blick in die Glaskugel

Und zugleich erfolgt eine Warnung vorab: Den Leser erwartet ein Puzzle ohne Vorlage mit vielen Teilen. Los geht’s. Da ist er einmal eine Rückbesinnung auf Familie und engere Freundeskreise. Und selbst Einsame werden zunehmend integriert. Die Sinnfragen gewinnen an Bedeutung, während Arbeitsprozesse die enge Taktung verlieren. Die Achtsamkeit aller steigt, geschätzt werden für alle vorteilhafte Problemlösungen.

Neben neuen viralen Szenarien wird die Erderwärmung als nächste Bedrohung deutlicher gefühlt, als globales reelles Problem. Nachhaltigkeit bekommt schnellen Einzug. Verzicht auf Profitmaximierung und mehr gemeinsames Schaffen wird Mode. Bei den Produkten wird mehr Lokales als Globales gut anlaufen, in der Landwirtschaft der regionale ökologische Anbau. Der persönliche Konsum wird anfangs aus Mangel aber dann aus verändertem Bewusstsein seltener, aber befriedigender. Zwei Sportarten statt vier, eine Flugreise im Jahr statt zwei, und dann mit dem neuem Elektroflieger, wird hipp. Die Spracherkennung unterstützt von künstlicher Intelligenz löst rasch den Informationsfluss über Oberflächen ab. Kürzere Arbeitszeiten dadurch für alle. Und die Einleitung des Schlussteils soll hier mit den Worten der Queen aristokratisch ausgelegt werden: „We will meet again.“ Damit ist gemeint, eine Zukunft kommt gewiss. Und vielleicht ja auch eine andere, bessere Welt.

 

Dieter Herrmann Mainka
Internist, Onkologe und Geschäftsführer Corona Future

Share Post