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Mit Colchicin gegen Covid-19 Infektionen?

Das traditionelle antientzündliche Gichtmittel Colchicin, ein Alkaloid, hat in mehreren Studien zu COVID-19 Infektionen positive Effekte gezeigt. In Zeiten der Corona Pandemie lässt das aufhorchen!

Fluch oder Segen?

Zuerst einmal: Alkaloide sind dosisabhängig hochgiftig und werden auch als Insektizide eingesetzt. Sie hemmen die Mitosephase der Zellteilung, wodurch sich der Spindelapparat nicht ausbilden kann. Besagtes Colchicin wird aus dem Blütensamen der Herbstzeitlosen hergestellt. Vor allem wird es heute zur kurzfristigen Behandlung von Gichtanfällen eingesetzt. Darüber hinaus kommt es auch bei akuter Pericarditis bzw. Herzbeutelentzündung, bei Morbus Behcet bzw. der Erkrankung mit Aphten und bei Schüben des Mittelmeerfiebers zum Einsatz. Die Wirkung von Colchicin wurde vom Heidelberger Pharmazeuten Lorenz Geiger bereits im 19. Jahrhundert entdeckt.

Colchicin blockiert bestimmte Eiweiße, Mikrotubuli, die sonst Entzündungen auf Zelloberflächen erleichtern. Bei COVID-19 Infektionen hemmt Colchicin Chemotraktoren wie z.B. Leukotrien B4. Dadurch wird die Verklebung von Zellwänden mit weißen Blutzellen verhindert. Die Zytokinproduktion wird reduziert, es folgt akut eine verminderte Freisetzung von Entzündungszellen (Makrophagen und Neutrophile)

Colchicin hat aktuell einen hohen Stellenwert in der Behandlung von Gicht (Podagra). Wiederum wurde Pulver der Pflanze Herbstzeitlose bereits im Mittelalter zur äußerlichen Behandlung von geschwürig zerfallenden Hauttumoren verwendet. In der Krebstherapie kommt Colchicin zum Einsatz. Möglicherweise auch bei Corona.

Colchicin hat aktuell einen hohen Stellenwert in der Behandlung von Gicht (Podagra). Wiederum wurde Pulver der Pflanze Herbstzeitlose bereits im Mittelalter zur äußerlichen Behandlung von geschwürig zerfallenden Hauttumoren verwendet.

Aktuelle Studien zur Behandlung mit Colchicin ohne harte Daten

Bereits im Frühjahr 2020 publizierte Ergebnisse einer kleinen griechischen Studie zeigten eine beschleunigte Erholung der Patienten bei Colchicingabe, veröffentlicht im Wissenschaftsmagazin JAMA Network Open (2020,3:e2013136). GRECCO-19, eine weitere kleine Studie mit 105 Patienten aus 16 griechischen Krankenhäusern zeigte ebenfalls Erfolge.

Allerdings wurden die Patienten parallel mit weiteren Substanzen wie Azithromycin und Hydroxychloroquin und auch Lopinavir und Ritonavir behandelt. In der Placebo-Gruppe kam es bei 14 Prozent zu einer weiteren deutlichen Verschlechterung, in der Gruppe mit Colchicin nur bei 1,4 Prozent. Harte Daten, sogenannte Endpunkte, wie die Notwendigkeit von Beatmungen lieferte diese Studie aber nicht.

 

Antientzündlicher Wirkmechanismus

Damals war bereits die kanadische Studie COLCORONA gestartet worden. Diskutiert wird darin neben der bekannten antientzündlichen Aktivität von Colchicin über das Inflammasom-Signaling auch eine verminderte Virusvermehrung durch diese Substanz wie auch ein verminderter Zelleintritt des Virus. Von den Autoren der aktuellen kanadischen Studie wird 2012 eine Verminderung der Lungenschäden durch Beeinträchtigung der Leukozytenaktivierung- und Rekrutierung diskutiert sowie eine Modellierung des Inflammasoms. Das Inflammasom ist ein Eiweißkomplex des angeborenen Immunsystems welcher für die Aktivierung von Entzündungsgeschehen notwendig ist.

 

Cholchicin hat eine sehr geringe therapeutische Breite

Colchicin ist mit äußerster Vorsicht zu dosieren, da es über eine sehr geringe therapeutische Breite verfügt. Aus diesem Grund wurde der Einsatz in der Krebstherapie verworfen. Dafür werden in der Onkologie verwandte, besser steuerbare Substanzen eingesetzt. Nur geringste Fehldosierungen von Colchicin führen zu Erbrechen, Krämpfen, Durchfällen, Benommenheit und Muskelschwäche.

Bereits kleine Überschreitungen der zulässigen Dosierungen oder Missachtung der Kontraindikationen wie Einschränkungen der Nierenfunktion und Anämie oder eine zu lange Gabe haben rasche Todesfolge. Nierenversagen und aplastische Anämie, eine Erkrankung, bei der die Blutbildung aussetzt, können die Folgen sein. Bereits bei kumulativen Dosen ab 7 mg sind Todesfolgen beschrieben!

 

Internationale Studie von kanadischen Kardiologen,
harte Daten für die Wirksamkeit von Colchicin bezüglich Covid-19

Die Pressemitteilung des Montreal Heart Institut vom 22.1.2021 zeigen unter ambulant begonnener Cholchicin-Therapie bei SARS-CoV-2 Infektionen gegenüber Placebo eine Verminderung der Klinikeinweisungen um 25 Prozent. Die Notwendigkeit der künstlichen Beatmung sank um 50 Prozent, während die Todesfälle durch die SARS-CoV-2 Infektionen um 44 Prozent reduziert werden konnten.

In der randomisierten Studie wurden 4.159 Patienten aus verschiedenen Ländern eingeschlossen. Hierbei erhielt eine Gruppe zur Einnahme Placebo. Hingegen bekam die andere Testgruppe 2 x 0,5 mg Colchicin über drei Tage und darauf 0,5 mg über eine weitergehende Zeit. Bei Studieneinschluss waren die Patienten ambulant und hatten Risikofaktoren wie einen BMI über 30, Alter über 69, Diabetes und andere Risikofaktoren. Studienleiter ist Prof. Dr. Jean-Clause Tardif, Direktor des MHL-Forschungsinstituts an der Universität Montreal.

Auch in Oxford hier wird zu Colchicin geforcht.

Die University of Oxford ist eine der ältesten und renommiertesten Universitäten der Welt. Auch hier wird zu Colchicin geforcht.

Colchicin-Studie auch an der Universität Oxford zu Covid-19 Infektion

An der Universität Oxford wird die Studie „Recovery Trial“ an stationären Patienten durchgeführt. Hierbei gibt es verschiedene Studienarme, wobei einer die Grundbehandlung und Acetylsalicylsäure zum Thema hat. Letzteres ist auch als ASS oder Aspirin bekannt. Ein weiterer Studienarm mit Grundbehandlung und Rekonvaleszentensplasma, also Antikörper von Menschen, die SARS-CoV-2  überstanden haben, und neben weiteren Studienarmen auch der Studienarm mit Grundbehandlung und Colchicingabe bei SARS-CoV-2 Infizierten.

 

Dieter Mainka

29.1.2021

 

 

 

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