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Hans Werner Sinn: Der Corona Schock

Der Corona Schock

Hans-Werner Sinn
Herder,  7/20
S. 219

 

In einem Wort: profund!

Hans-Werner Sinn? Gehört mit Bernd Rürup zu den beiden deutschen Experten in Wissenschaftlern im Bereich Wirtschaft, welchen man in Fachkreisen einen gewissen Einfluss auf das allgemeine politische Geschehen Deutschlands und somit sogar Europas zuspricht.

Konkret ist Hans-Werner Sinn ein emeritierter Hochschullehrer und war bis 2016 Präsident des renommierten ifo Institutes für Wirtschaftsforschung. Er ist weiterhin Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Hans Werner Sinn findet man daher oft in den Medien als Interviewpartner, Gast in Talkshows und eben auch als Autor von umfassenden Büchern. Es soll hier nur sein 2003 veröffentlichtes Buch „Ist Deutschland noch zu retten“ erwähnt werden, welches maßgeblicher Ideengeber für die Agenda 2010 war.

 

Das Sachbuch und seine Gliederung

Kommen wir zum neuen Buch mit dem selbsterklärenden Titel: „Der Corona Schock“. Im ersten Teil beschreibt Sinn konzentriert und übersichtlich Fakten und Zahlen über das Virusgeschehen in Europa bis Juni 2020. Seine Meinung zum Lockdown begründet er, die politische Entscheidung dazu hält er für die damalige Zeit für richtig. Kritik übt er an den unzureichenden direkten medizinischen Hilfsmaßnahmen durch Deutschland beim Kollaps der norditalienischen Krankenhäuser. Hier hätte er direkte Hilfe in der Krankenversorgung bei in Deutschland freien Intensivbetten statt späterer Geldgeschenke erwartet.

Im zweiten Teil beschreibt er die weltweite aufkommende Rezession als tiefsten Einbruch in Friedenszeiten seit der Weltwirtschaftskrise 2009 und die wirtschaftlichen Gefahren für den europäischen Raum. Im abschließenden dritten Teil zeigt uns der Autor Wege auf, welche die bereits vor der Corona-Krise bestehenden Probleme der europäischen Gemeinschaftswährung zu lösen vermögen. Dabei wendet er sich strikt gegen die laufenden Kaufprogramme von Staatsanleihen durch die EZB. Er beschreibt zudem dezidiert riskante Target-Forderungen von Deutschland an die Südländer und die damit steigende deutsche Staatsverschuldung. Förderprogramme für die Wirtschaft kritisiert er, denn er geht davon aus, dass die Menschen von selbst wieder in die Läden gehen und somit aufgestaute Konsumwünsche nachholen.

 

Für Wirtschaft und Gesellschaft:
Schlüsse und Empfehlungen des Autors Hans-Werner Sinn

Der Autor zeigt sehr offen in Inhalt und Stil an, dass er in Sachen Klimapolitik von weiteren Maßnahmen mit ungesicherter Wirksamkeit zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel hält. Er sieht zudem den frühen Ausstieg aus dem Atomstrom als Fehler. Bemerkenswert ist aber vielleicht eine ganz andere Aussage, wonach Politiker wissenschaftliche Prognosen und Berechnungsmodelle mehr einbeziehen sollten. Als Beispiel nennt er die anfängliche Resistenz der deutschen Politik gegenüber den Warnungen von anerkannten Virologen wie Christian Drosten und Alexander Kekule. Sein Fazit lautet hier: „Die Corona-Krise könnte der Punkt sein, an dem wir als Gesellschaft die Politik dazu bewegen, längerfristig vorzusorgen“.

Daneben zeigt das durchaus profunde Sachbuch dem finanzpolitischen Laien die Probleme des Euro in der Corona-Krise auf. Mancher wird es bedauern, dass der Autor die deutsche Energiepolitik und die Sorgen der jungen Generationen nicht etwas mehr zu würdigen weiß. Aber nicht jeder „mancher“ schreibt Bücher, die andere ernsthaft lesen – und eben dieses Buch lohnt sich in dieser Beziehung.

Autor dieses Artikels:
Dieter H. Mainka

 

 

 

Roland Tichy
Ludwig Erhard Stiftung (Website)
Wirtschaftliche Folgen von Corona: Willkommene Ausrede für sachfremde Politik
30.07.2020

 

Eine moderate Einordnung

ROLAND TICHY gibt in seiner Buchbesprechung einen genauen Überblick über das Sachbuch. Stellung zu den jeweiligen Inhalten und Ansätzen nimmt er dabei selten beziehungsweise er in einem Schlussresümee. Er attestiert dem Werk einen sorgfältigen Aufbau und erklärt es leicht zögerlich zu einem ökonomischen Nachschlagewerk. Letztlich scheint er im Wesentlichen einer Meinung mit dem Autor Hans-Werner Sinn zu sein und konzentriert seine Einordnung des Buches dann auf die Kritik des Autors an dem nicht Korrigieren der Fehler in der deutschen Politik, die in der Anfangszeit der Corona-Pandemie entstanden sind. „Dass sie nicht korrigiert wurden, zeigt die Schwäche und Unfähigkeit der deutschen Politik, Fehler einzusehen und zu korrigieren. Jetzt allerdings werden sie erneut wiederholt – wegen Corona …“

Link:

https://www.ludwig-erhard.de/erhard-aktuell/kommentar/wirtschaftliche-folgen-von-corona-willkommene-ausrede-fuer-sachfremde-politik/

 

Tillmann Neuscheler
FAZ
Kein zweiter Lockdown! Hans-Werner Sinn über die Corona-Krise
03.08.2020

 

Lehrreich!

Tillmann Neuscheler zeigt auf, dass Sinn den Weg des Virus nach Europa gut aufgezeichnet hat und daneben nicht polemisch wird. Im letzten Drittel seiner Buchkritik benennt er Sinns Corona-Buch als einen „Rundumschlag gegen all das, was aus seiner Sicht in Deutschland und Europa schiefläuft.“

Auch hat Sinn vieles seines Erachtens schon in früheren Zeiten hervorgebracht, aber hier versammelt er es halt übersichtlich und aktuell neu. Zum Beispiel sind da die Grundprobleme der Europäischen Währungsunion, die Staatsschulden und Anleihekäufe der EZB – und nicht zuletzt die Warnungen von Hans-Werner Sinn vor dem Anstieg der Target-Salden. Zudem ust da noch diese Stimmung bei der Lektüre: „Wer Sinns Buch liest, bekommt bisweilen ein beklemmendes Gefühl, ob das alles gutgehen kann: mit dem Euro, den Target-Salden, dem Niedergang der Autoindustrie und den Kosten für die Rettungspakete.“ Schließlich kommt Tillmann Neuscheler zu dem Schluss, dass die Lektüre insgesamt lehrreich ist und allemal lesenswert in Hinblick auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.

 

Link:

https://www.hanswernersinn.de/de/wir-kasteien-uns-und-fuer-die-welt-kommt-nichts-dabei-heraus-lvm-09092020

 

Martin Balle
Abendzeitung
„Finanzpolitische Märchenwelt“
14. August 2020

 

Und wenn Sie nicht gestorben sind …

… werden die Menschen und ihre Wirtschaft weiter leben. Aber so ganz geht weder das zu besprechende Sachbuch noch die entsprechende Rezension. Also der Reihe nach: Martin Balle nennt zuerst einmal den Autor Hans-Werner Sinn einen seit Jahrzehnten hartnäckigen und zugleich wissenschaftlichen Beobachter gesellschaftlicher Realitäten. Dessen neues Buch empfindet er als spannend. Dies macht er nicht unbedingt am Schreibstil fest, sondern an den darin versammelten Themen, die alles rund um das Thema Corona ansiedeln, was in den letzten Jahrzehnten sowieso schon zur Diskussion stand. Die Rede ist hier beispielsweise von dem sogenannten „Helikoptergeld“ oder dass Sinn die Hilfe an wirtschaftlich angeschlagene Länder im Mittelmeerraum als „Etikettenschwindel“ bezeichnet. Letztlich kommt Martin Balle zu dem Schluss, dass die „wissenschaftlichen Einwände, die Hans-Werner Sinn entgegen dem populären Mainstream aus Politik und Medien bringt, lesens- und bedenkenswert“ sind.

 

Link:

https://www.hanswernersinn.de/de/finanzpolitische-maerchenwelt-az-14082020

Interview mit Hans-Werner Sinn

Oktober 2020

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In diesem Interview spricht Marc Friedrich mit Hans-Werner Sinn über Corona, die daraus möglichen Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik. Zudem werden Themen wie Konjunkturpaket oder die EZB vertieft.

 

Hans-Werner Sinn spricht über Wirtschaft, Geld und gibt Ratschläge gegen eine Finanzkrise

 

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Kann die Wirtschaft den Pandemie-Schock überleben? Gefragt wird der Star-Ökonom Hans-Werner Sinn zu diesem heiklen Thema. Der ehemalige Chef des renommierten Münchner ifo-Instituts redet dabei Klartext. Sorgen bereitet ihm vor allem eine drohende Inflation, denn wenn diese einmal an Fahrt gewinnt, dann ist diese kaum noch zu stoppen. Ebenfalls kritisch betrachtet Hans-Werner Sinn die Lage der Wirtschaft, den Euro und die Geldpolitik.

 

21 Million Lights

Hans-Werner Sinn

Hans-Werner Sinn (* 7. März 1948, Brake) ist ein namhafter deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er ist emeritierter Hochschullehrer und war langjähriger Präsident des renommierten ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. In der Liste „Die wichtigsten Wirtschaftswissenschaftler“ von der Wirtschaftswoche (2011) belegte er den ersten Platz.

 

Corona, Pandemie und Covid-19.

 

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