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Für Judith Butler zeigt die Corona-Pandemie die Grenzen des Kapitalismus auf

Judith Butler kritisiert die US-Regierung bezüglich des Umgangs mit Corona und verweist auf die Notwendigkeit, sich die Welt neu vorzustellen.

Judith Butler hat auf der Verlagsseite Verso ein Essay bezüglich der Corona-Pandemie eingestellt. Darin betrachtet die Vordenkerin der Queer-Theorie zuerst die vorhandenen Gegensätze der gegenwärtigen Situation. Zum einen ist da die staatlich geforderte Isolation und zum anderen ein Virus, der besonders schnell jegliche Grenzen überschreitet. Daneben, so gibt die Autorin zu bedenken, hat nicht jeder in den USA eine Familie beziehungsweise ein Zuhause für einen Rückzug bezüglich der Isolation. Judith Butler stört sich vor allem an dem Umstand, dass die Frage, wer leben und sterben wird, für den Präsidenten lediglich ein Kosten-Nutzen-Problem ist. Andererseits weist sie auf, dass das Virus halt nicht diskriminiert. Stattdessen behandelt dieser erst einmal alle gleich. Zudem hat Corona das Potenzial, die gesamte menschliche Gemeinschaft in eine prekäre umzuwandeln.

 

Massive Einwände gegen den US-Präsidenten

Präsident Trump will, so erklärt die bekannte Queer-Theorie Philosophin, seine Wiederwahl sichern. Daher versucht die US-Regierung exklusive Rechte an einem Impfstoff von einem deutschen Unternehmen zu erwerben. Die Entwicklung des Produkts hat aber ausgerechnet die deutsche Regierung finanziert. Weiterhin kritisiert sie eine Aussage Trumps, wonach die finanzielle Gesundheit der Nation ihre wahre Gesundheit ist. Kommt man also, wie von Trump derart gefordert, zu einem „Business as usual“ zurück,  würde die damit verbundene Ordnung, die am stärksten Gefährdeten sterben lassen. Vor allem der Umstand, dass nach Trump der freie Markt entscheiden sollte, wie der Impfstoff entwickelt wird, stößt der Autorin auf.

 

Kritik an der reichen Elite

Sie mutmaßt, dass wir sicherlich erleben werden, wie die reiche und voll versicherte Elite sich Zugang zu einem solchen Impfstoff sichert, sobald dieser verfügbar ist. Dies ist dann eine Diskriminierung. Wobei der Virus an sich ja nicht diskriminiert, dafür aber der vorhandene Nationalismus, Rassismus wie auch die Fremdenfeindlichkeit oder der Kapitalismus. Die Autorin glaubt daher, dass es an der Zeit ist, sich die Welt neu vorzustellen – und verweist zustimmend auf den Demokraten Sanders. Dieser verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Butler kommt schließlich zu dem Schluss, dass man mittels der „sozialen Vision einer universellen Gesundheitsversorgung“ gegen eine moralische wie auch virale Erkrankung kämpfen sollte.

 

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Judith Butler

Judith Butler (* 24. Februar 1956) ist eine US-amerikanische Philosophin. Sie ist Lehrstuhlinhaberin für Rhetorik und Komparatistik an der University of California, Berkeley. Aufsehen erlangte Sie 1990 mit ihrer Schrift „Das Unbehagen der Geschlechter“. Ihr Denken wird maßgeblich durch die Tradition der Kritischen Theorie, des Poststrukturalismus und der Queer-Theorie beeinflusst.


Links zu Judith Butler:

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Unbehagen_der_Geschlechter
https://www.versobooks.com/blogs/4603-capitalism-has-its-limits

 

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