Informationen und Impulse für das Corona-Zeitalter
 

Kommando Klatsch 

Klatschen – in Zeiten von Corona.

Wenn es stimmt, was Macron sagt und wir uns im Krieg befinden, dann greifen jeden Abend hunderttausende Menschen auf ihren Balkonen zu den Waffen – und klatschen. Für all die Menschen, die den Laden gerade am Laufen halten. Ärzte, Pfleger, die Müllmänner und Supermarktkassiererinnen. Und irgendwer muss ja schließlich die Tonnen von Klopapier herankarren, die gerade so dringend benötigt werden. Ist doch klar: In Zeiten von Home Office müssen jetzt Millionen von Deutschen zuhause öfter müssen.

 

(Bildquelle Adobe Stock)

Die Krise, meinen Soziologen, schweiße uns zusammen, soziale Unterschiede schrumpften auf Virengröße runter. Vor den Folgen der Corona-Krise sind wir alle gleich. Sagen Sie das mal der Kassiererin, die gerade ihre 12-er-Packung Toilettenpapier über den Scanner zieht. O.k., für die wird abends geklatscht, was der Vielbeschäftigten zwar nicht mehr Lohn einbringt, aber uns Solidaritätsklatschern ein echt gutes Gefühl gibt. Wir Big Applaus Spender, in aufrechter Haltung vereint.

 

Wir glauben im Moment der Politik und Herrn Drosten aufs Wort, warum nicht auch an die Kraft des Klatschens glauben? Es wird nur langsam Zeit, dass wir auch die Spargelerntehelfer in unseren Balkon-Soli einschließen – jedenfalls die, die es noch gibt. Was soll aus unserem sozialen Frieden werden, wenn das knappe Gut im April so teuer ist, dass sich nur noch Gutverdiener die Stangen aus der Hand reißen? Ich frage mich auch, wie es die Mitmenschen ohne Balkon mit dem Kollektivtermin um neun halten? Wie soll man für alle sichtbar mitklatschen, wenn man nur in zweiter Reihe, verstohlen hinter am offenen Fenster, Beifall spenden kann?

 

Jetzt wird Wohnung zur sozialen Frage darüber, wie man der Krise die Stirn bietet. Der isolationsmüde Franzose, der vor kurzem auf dem Balkon einen Marathon lief, hätte auf den Geländern in meinem Viertel keine Freude. Die sind so klein, dass man zu zweit gerade den freiwilligem Mindestabstand einhalten kann. Und während wir hier weiter auf engstem Raum klatschen, weil mehr nicht geht, führen sie im noblen Nachbarschaftsstadtteil in Hamburg-Eppendorf bereits einen Befreiungskampf gegen Corona. In einer beliebten Wohnstraße tritt jeden Morgen um 11 Uhr Kommandeur Pato Cervantes vor die Tür. Der Deutsch-Mexikaner, von Hauptberuf Fitness-Trainer, hat zwar kein Mittel gegen Corona gefunden, aber eines gegen den lähmenden Wohnungskoller. Auf Knopfdruck lässt er laute Musik erschallen und bringt die Anwohner auf ihren Balkonen zum Springen und Hüpfen. Einige schleppen sogar ihre Hanteln nach draußen, um sich vor den Augen der Nachbarn in Form zu bringen. Geklatscht wird dort übrigens auch. Aber dieser Applaus versendet sich nicht im Abendhimmel. Der zaubert jemandem ein Lächeln ins Gesicht.

 

Aughe Thron

 

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