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Laura Spinney: 1918 Die Welt im Fieber

1918 Die Welt im Fieber
Wie die spanische Grippe die Gesellschaft veränderte
Laura Spinney
Hanser, 2017 London,
3 Auflage 2020
S. 378

Die Spanische Grippe & Corona

Laura Spinney bietet eigentlich die Antwort auf eine spannende Frage: Kann ein Buch wichtige oder wenigstens interessante Aufschlüsse und Informationen zur Spanischen Grippe bieten? Und vor allem solche, die einige Sachverhalte der aktuellen Corona-Pandemie spiegeln? Ja, es kann. Um zur Sache zu kommen: Laura Spinney beschreibt dem Umgang mit der Pandemie in verschieden Ländern und Kulturen. Zudem beleuchtet sie die damalige globale Umstrukturierung durch das Virus. Ein Schauder erzeugt hierbei die Beschreibung der zweiten Welle, welche überwiegend junge Menschen traf und viele Millionen Weisen hinterließ.

Über Laura Spinney und dieses Buch

Die Autorin Laura Spinney ist eine britische Wissenschaftsjournalistin. Sie schreibt unter anderem für renommierte Fachblätter wie Nature und National Geographic. Im vorliegenden Buch beschreibt sie die Spanische Grippe als weltumspannendes gesellschaftliches Problem, welches zu etwa 50 Millionen Toten führte. Das ist weit mehr als selbst der 1 Weltkrieg einforderte. Genauer gesagt, erkrankte ein Drittel der Weltbevölkerung innerhalb von 2 Jahren. Spinney beschreibt zudem wie dies alles die  Machtverhältnisse zum Wanken brachte und damit eine Modernisierungsbewegung einleitete. Hierzu werden Personen aus verschiedenen Ländern porträtiert, während die Folgen und der Umgang mit der Pandemie in verschieden Kulturen  beleuchtet wird.

Schwarze Hochzeiten in Russland, postapokalyptische Zustände in Städten: All dies wird plastisch beschrieben. Daneben wird sehr gut herausgearbeitet, dass die „spanische Grippe“ zwar nicht in Spanien begann, aber in den dortigen katholischen Hochburgen durch allzu sture Fortführung von Gottesdiensten und Prozessionen besonders wütete. Letzteres geschah, obwohl die Ärzte dazu rieten, den Kontakt zu Kranken während des Seuchenausbruchs zu vermeiden. Schlussendlich beleuchtet die Autorin auch die internen Streitigkeiten der Behörden in New York – etwa über die Notwendigkeit von Schulschließungen.

Mindestens ein Schauder in Sachen Corona bleibt

Übrigens zeigte damals die Öffnung mit dem Erlernen von Hygienemaßnahmen besonders bei den Kindern unterer sozialer Schichten besondere Erfolge. Ja, das Buch lässt den Leser in unseren aktuellen Corona-Zeiten schaudern – dies spätestens an den Stellen, die beschreiben, wie die zweite Welle der spanischen Grippe um die Welt raste. Das macht Angst vor weiteren Mutationen des neuen Corona-Virus. Erschreckend ist auch der Umstand, dass der Ärzteschaft bis Dato nahezu ähnlich wie damals die Hände gebunden ist. Das vorliegende Buch sei Lesern mit historischem Interesse sowie ausreichend Zeit empfohlen, um in ein umfassendes und komplexes Thema einzusteigen.

 

Autor des Artikels: Dieter H. Mainka


Presseschau

 

Madeline Bucher
Spektrum.de
„Vergessene Katastrophe“
Rezension von 09.03.2018

 

Für alle, die sich für Geschichte interessieren

Eine fundierte Rezension: Für Madeline Bucher stellt Spinneys Werk „eine gelungene Mischung aus aufwühlenden anekdotischen Schilderungen und detaillierten Hintergrundinformationen dar. Gelobt wird der weitgehende Verzicht auf Fachjargon wie auch die nachvollziehbaren Ausführungen zur Genetik und Biologie des Grippevirus. „Zum positiven Gesamteindruck tragen auch die Schwarz-Weiß-Fotos am Beginn jedes Kapitels bei.“

Letztlich hebt Madeline Nucher hervor, dass es Laura Spinney gelingt, nicht nur die Pandemie aus verschiedenen Blickwinkeln darzustellen, sondern eben auch alles „zu einem einheitlichen Bild zusammenzusetzen“. So wird zum Beispiel die Geschichte der Grippe von der Antike bis heute gut dargelegt. Lediglich kritisiert wird der Verlust an Stringenz, aufgrund der dichten Darstellung. Schließlich empfiehlt die Kritikerin das Sachbuch von Laura Spinney vor allem jenen, die sich prinzipiell für Geschichte  interessieren.

Link:
https://www.spektrum.de/rezension/buchkritik-zu-1918-die-welt-im-fieber/1549817

 

Martin Ahrends
Deutsche Welle
„Wie Mikroben die Welt veränderten“
Rezension von 27.01.2018

 

Umfassende Quellenauswertung


„An der Spanischen Grippe starben mehr Menschen als auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs.“ So beginnt die Rezension von Martin Ahrends und sie endet dann mit dem Hinweis, dass eben dieses Sachbuch wichtige Warnungen ausspricht. Darüber hinaus liest es sich wie „eine unterhaltsame Impfung gegen Leichtsinn und Fatalismus“. Das lässt aufhorchen und …

Daneben hebt er hervor, dass sich Laura Spinney immer wieder auf das Terrain von Kunst und Literatur begibt, um hier Quellen ihrer Geschichtsschreibung aufzuzeigen. Derart entsteht ein vielfarbiges Mosaik, welches Ahrends als ein Zeitgemälde bezeichnet, „das den starken atmosphärischen Eindruck von einer Umbruchzeit hinterlässt“.

Link:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/laura-spinney-1918-die-welt-im-fieber-wie-mikroben-die-welt.1270.de.html?dram:article_id=409314

 

Anne Haeming
Spiegel.de
„Umbruchsjahr 1918 Als die Welt fieberte“
Rezension, 18.02.2018

 

 

Der schwarze Schwan ist entfärbt

„Bis zu 100 Millionen Menschen raffte sie dahin“. Derart leitet Anne Haeming ihr Rezension ein und unterstreicht dann auch sofort, dass Laura Spinney sehr gut analysiert, warum man den Ersten Weltkrieg eigentlich nicht ohne die Spanische Grippe verstehen kann. Die Kritikerin attestiert dem Buch dann auch einen brillanten Perspektivwechsel, der eigentlich schon lange überfällig war.

Wohlwollend betont Haeming auch, dass Spinney uns vorführt, „wie verschoben unser eurozentrischer Blick immer noch ist“. Denn die AUtorin Laura Spinney zeigt ja sehr gut auf, wie sehr die Spanische Grippe den Lauf der Geschichte beeinflusste – und damit ist als zentraler Punkt gar nicht mal der Erste Weltkrieg gemeint, sondern eben auch die Kunst oder das Gesundheitssystem. Daneben ist da noch ein nicht unbedeutender Punkt, den Laura Spinney fein herausgearnbeitet hat und den Haeming nun als das eigentlich besondere des Buchs herausstellt: Das Buch bringt endlich uralte Informationsblasen zum Platzen. Schließlich sei das Ausmaß der „Spanischen Grippe“ in Europa eine Art „schwarzer Schwan“ gewesen. Man kannte und kennt ihn nicht. Und wenn dem so ist, dann gibt es ihn nicht. Jetzt aber, also dank diesem Sachbuch von Laura Spinney ist der schwarze Schwan sozusagen entfärbt, müssen wir ihn wahrnehmen.

 


Link:

https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/die-welt-im-fieber-von-laura-spinney-die-krankheit-ueber-die-keiner-sprach-a-1192022.html

Laura Spinney

Laura Spinney, Jahrgang 1971, ist eine  britische Schriftstellerin und Wissenschaftsjournalistin. Sie veröffentlichte unter anderem in The Times, National Geographic, The Economist, Nature, New Scientist und The Daily Telegraph. Zudem hat sie drei Romane geschrieben: „The Doctor“ (2001), „The Quick“ (2007) und „Rue Centrale“ (2013). In ihrem Sachbuch „1918 – Die Welt im Fieber“ stellt sie die weltweitren Auswirkungen der Spanischen Grippe umfassend dar.

 

 

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