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Für Michael Zichy wird das Kollektiv gestärkt

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Der österreichische Philosoph Michael Zichy ist in Sachen Pandemie  besorgt um einen seiner besten Freunde. Dieser liegt wegen Corona im Krankenhaus. Der Philosoph benennt die Situation mit „unbarmherzige Realität“.

Langfristige Auswirkungen & Folgen

Michael Zichy gibt zu denken, dass die Corona-Krise das global vernetzte Wirtschaftssystem in einen Pausenmodus versetzt hat. Das wiederum hat die Verletzlichkeit des gesamten Systems bloßgestellt. Vor allem zwingt dies Staaten dazu, sich mehr und mehr zu verschulden, was diese in die Grenzen ihrer Nationalstaatlichkeit zurückwirft. Der Philosoph geht daher davon aus, dass es nach der Krise eine Phase des geschäftigen Wiederaufbaus kommt. Dies geht möglicherweise mit größeren gesellschaftlichen Umwälzungen einher. Letzteres, weil die Lasten der milliardenschweren Rettungspakete nun zum Tragen kommen.

Darüber hinaus muss das Wirtschafts- und das Gesundheitssystem der Staaten neu organisiert werden. Schließlich wird sich  kaum ein Staat es sich erlauben können, auf eine mögliche weitere  Krise nochmals unvorbereitet zu sein. Last but not least sieht der Philosoph auch Gutes in der Krise, denn Menschen halten sich diszipliniert an zuvor noch undenkbare Einschränkungen, während die Solidarität zueinander eingeübt wird. Zudem könnte ein neues Bewusstsein dafür entstehen, was alles möglich ist. Gut möglich ist es seiner Meinung nach auch, dass eine Art Dankbarkeit gegenüber dem eigenen Staat entstanden sein wird. Denn dieser hat ja aus der Krise geführt – und halt nicht die Marktwirtschaft.

 

Nach Corona?
Der klügere Mensch

Nach Michael Zichy ist die Menschheit aus so machen Krisen tatsächlich klüger hervorgegangen. Besonders drei neue und zugleich positive Eigenschaften werden die Menschen seines Erachtens aus der derzeitigen Krise lernen: Es kommt es zu einer weltumspannenden kollektiven Erfahrung eines Zusammengehörigkeitsgefühl. Zudem werden althergebrachte Denkmuster unbrauchbar, was letztlich die geistige Flexibilität erhöht. Und drittens wird nach der Krise das Gefühl, gemeinsam etwas geschafft zu haben, positiv vorhanden sein. Letzteres ermutigt dann auch, andere Herausforderungen anzugehen.

 

 

Michael Zichy

Michael Zichy (* 1975) ist ein österreichischer Philosoph. Er studierte Philosophie und katholische Theologie in Salzburg. Ebenda war er Forschungsassistent (2000–2003) und ist seitdem dort Lehrbeauftragter. 2018 wurde ihm der Kardinal-Innitzer-Förderungspreis für Geisteswissenschaften verliehen.

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