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Dank Omikron: Entwarnung In Sachen Corona?

Bisher schürten die sich innerhalb von Tagen weltweit rasch verbreiteten Informationen über neue Varianten des Coronavirus SARS-CoV-2 die Ängste besonders der Besorgten immer wieder aufs Neue. Berechtigterweise gingen ältere Menschen und Vorerkrankte erneut in Deckung. Omikron scheint jetzt trotz seiner raschen exponentiellen weltweiten Verbreitung zu einem überraschenden Gamechanger zu werden, der die Dinge zum Besseren wenden kann.

 

In Großbritannien fallen bereits die Masken, manche sehen in Omikron bereits den Anfang vom Ende der Corona-Pandemie. Sicher, Omikron ist nicht mehr einzufangen, eine Umkehr zu einer No-Covid-Politik ist in den westlichen Staaten bereits ausgeschlossen. Die aktuell bestehenden Maßnahmen sollen lediglich die Abflachung der Infektionskurven bewirken.

Es scheint aber klüger zu sein, keine Experimente mit der ungehinderten Verbreitung von Omikron zu machen. Wenn viele Menschen gleichzeitig an der Omikron-Variante erkranken und es dadurch auch nur kleine Probleme in unserem täglichen Dasein gibt, kann dies in einer folgenreichen Welle enden.

 

SARS-CoV-2, rückläufige Fallzahl trotz steigender Infektionen

 

In den USA sind rund 860.000 Menschen, in Brasilien 622.000, in Italien 143.000 und in Deutschland 117.000 Menschen mit oder am SARS-CoV-2-Virus bis Februar 2022 verstorben. Mediziner berechnen, dass etwa 85 Prozent dieser Menschen ohne eine Infektion noch leben würden. Jetzt fällt trotz einer extrem ansteigender Zahl an SARS-CoV-2-Infizierte in Europa die Anzahl der Infektionsopfer. Die Zahl der mit der Omikron-Variante erkrankten Patienten zur stationären Versorgung in den Krankenhäusern steigt aber. Eigentlich so, wie man dies von den geläufigen Grippeendemien auch kennt.

Ist Omikron folglich der Ausweg, ein Segen? Wird jetzt die Herdenimmunität auch ohne Impfpflicht erreicht und ein flächendeckender Immunschutz auch vor zukünftigen SARS-CoV-2-Varianten erreicht?

 

Omikron führt bei der Bevölkerung zur Bildung von SARS-CoV-2 Antikörpern

Anthony Fauci ist der amerikanischer Chef-Immunologe und seit Jahrzehnten Berater der amerikanischen Präsidenten. Er hält den Übergang von einer Pandemie in eine Endemie mit der weltweiten Verbreitung von Omikron für wahrscheinlich. Fauci geht davon aus, dass sich die meisten Menschen mit diesen hochinfektiösen Varianten infizieren werden. Durch die eigene Antikörperbildung könnte sich in der Bevölkerung zusätzlich zum bereits bestehenden Schutz durch Impfungen eine Immunität gegen SARS-CoV-2 weiter aufbauen.

Noch ist nicht eindeutig geklärt, wie lange der Schutz gegen SARS-CoV-2 dann verbleibt und erst die Zukunft wird zeigen, ob dieser auch gegen zukünftige Virusvarianten reicht. Jetzt aber eine Omikron-Infektion bewusst herbeizuführen ist riskant. Long Covid gibt es auch nach Omikron ebenso wie Todesopfer. Bei der Delta-Mutante liegt die Long-Covid-Rate zwischen 5 und 10 Prozent. Viele Jogger erreichen ein halbes Jahr nach einer SARS-CoV-2-Infektion bei weitem noch nicht ihre früheren Leistungen. Einige behalten sogar bleibende Lungengerüstschäden. Bei Omikron gibt es dazu noch keine Daten.

 

Fauci, Drosten und Lauterbach für Impfungen – warum?

Auch gegen die stark mutierte Omikron-Variante wirken die mRNA-Impfungen besonders nach dem Booster, also der dritten Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Moderna und BioNTech / Pfizer, so Fauci. In den USA sind erst ca. 65 Prozent der Bevölkerung geimpft. Im Staat Washington, der eine hohe Akzeptanz von Impfungen in der Bevölkerung aufweist, verstarben bisher 134 von 100.000 Einwohnern an oder mit einer Infektion mit SARS-CoV-2. Ende Januar 2022 sind hier über 70 Prozent vollständig geimpft.

Präsident Joe Biden hat alle Bundebediensteten zu einer Impfung verpflichtet. In  den Staaten mit geringerem Anteil Geimpfter wie Mississippi, Arizona und Alabama sind etwa 350 Menschen je 100.000 Einwohner an oder mit Corona verstorben. Die Angaben sind der Daten-Plattform Statista entnommen. Der Anteil der vollständig geimpften Bevölkerung liegt im Januar 2022 in den genannten Staaten lediglich zwischen 50 und 60 Prozent.

 

Impfquoten, Impfnebenwirkungen  und SARS-CoV-2-Opfer

Ähnlich verhält es sich auch in Deutschland: Sachsen führt mit einer Impfquote von rund 62 Prozent bei erster und zweiter Impfung die traurige Bilanz mit etwa 350 Corona-Opfern je 100.000 Einwohner bis Ende Januar 2022 an, gefolgt von Thüringen und Brandenburg. In Schleswig-Holstein hat eine Impfquote von 79 Prozent und eine 55-prozentige Quote bei der Auffrischungsimpfung und lediglich 66 Opfer je 100.000 Einwohner zu beklagen. Da spielt sicherlich auch das Verhalten der Bevölkerung bzgl. der Umsetzung von empfohlenen Schutzmaßnahmen in den weniger betroffenen Regionen mit hinein.

In Deutschland allein sind etwa drei Millionen Menschen über 60 Jahre nicht geimpft. Jeder Impfgegner sollte noch einmal bedenken, dass bisher keine eindeutigen Spätfolgen der mRNA-basierten Impfstoffe bekannt geworden sind, und das bei über 700 Millionen  verabreichten mRNA Impfdosen in der EU. Geprüft werden von der Europäischen Meldezentrale für Impfnebenwirkungen, dem Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) der EMA 273 Meldungen zu kreisrunden Hausausschlägen und 56 Fälle von  Glomerulonephritis, einer Nierenerkrankung als Spätfolgen, die Fälle müssen zu auch sonst auftretenden Ereignissen noch abgetrennt werden.

Komplikationen?

Bekannt ist die Komplikation Herzmuskelentzündung und Herzbeutelentzündung mit knapp 1 Fall pro 100.000 Impfungen welche als Impfschaden zu bezeichnen ist. In etwa 95 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung mild. Die Rate an Nebenwirkungen mit Herzbeteiligung steigt bei jungen Männern zwischen 16 und 24 und der Verwendung von Spikevax von Moderna auf 19 zusätzliche Fälle bei 10.000 Impfungen innerhalb 4 Wochen nach der Zweitimpfung an, bei der Impfung mit Comirnaty von Biontech/Pfizer auf 5,7 Fälle. In Deutschland hat die STIKO (Ständige Impfkomission) aus diesem Grund entsprechende Empfehlungen für junge Menschen ausgesprochen.

Inzwischen gibt es Alternativen zu diesen Impfstoffen, die seltenen Nebenwirkungen welche erst nach längerer Verwendung und großer Zahl Geimpfter bekannt werden bleiben aber bei diesen zunächst offen. Von dem chinesischen Impfstoff mit inaktivierten Erregern von Sinovac findet sich auch ein, erhöhtes Risiko an einer Myocarditis zu erkranken. Allerdings mit geringerem Risiko gegenüber mRNA-Impfstoffen.

 

Proteinimpfstoff und Totimpfstoffe gegen Omikron?

Seit Dezember 2021 gibt es den Proteinimpfstoff Nuvaxovid von Novavax in Deutschland. Dieser enthält keine abgetöteten Erreger oder genetisches Material. Gegen Omikron soll diese Impfung eine erstaunlich gute Wirkung zeigen und wird von Wissenschaftlern als zukünftiger Booster-Impfstoff diskutiert. Voraussichtlich kommt ab März 2022 Valneva auf den Markt, ein eigentlicher Totimpfstoff mit abgetöteten Erregern. Nach Verabreichung von drei Dosen finden sich bei den Impflingen in 100 Prozent Antikörper gegen die Delta- und in 87 Prozent auch gegen die Omikron-Variante.

 

Omikron-Infektionen ohne Todesopfer?

2020 waren die Sterbefälle in Deutschland um etwa 43.000 Fälle höher als im Mittel der drei Jahre zuvor, im Jahr 2021 lag sie sogar um 70.000 Fälle höher. Besonders die Sterbezahlen für die ersten Monate Anfang 2021 während des Höhepunktes der zweiten Corona-Welle mit der Delta-Variante und noch vor den ersten Impfungen waren statistisch signifikant erhöht. Alleine im Januar 2021  gab es 25 Prozent mehr Sterbefälle als im Jahr zuvor. Impfungen haben die Risiken einer Corona-Infektion besonders für gesundheitliche vorbelastete Menschen deutlich reduziert.

Blumen

Nun ist Ende Januar 2022 Omikron die vorwiegende Virusvariante in Europa und den USA. Erfreulicherweise führt eine Infektion mit dieser Variante oft zu milderen Verläufen. Sehr selten werden die Infizierten intensivpflichtig, viele sind sogar asymptomatisch und  fallen nur durch positive Routinetests auf.

Trotz sehr hoher Inzidenzen in Großbritannien, Dänemark oder den Niederlanden sind dort die Fälle mit einer SARS-CoV-2-Infektion und notwendiger Intensivbehandlung stark rückläufig. In Südafrika gibt es Ende Januar 2022 jedoch Hinweise für eine verzögerte Mortalität nach einer Omikron-Infektion, die tägliche Zahl von Opfern durch Omikron steigt in diesem Zeitraum auf über 50. Gibt es also einen verzögerten Befall der Lunge? Also lassen wir die Politiker lieber weiter nachdenken und diskutieren. Vielleicht ist dies besser, als wenn jetzt eine vorschnelle Exitstrategie sofort umgesetzt wird.



Omikron, neue Mutante mit BA.2

 

In Dänemark ist Ende Januar 2022 neben der bisherigen Omikron-Variante BA.1.1.529 eine weitere Variante BA.2 von Omikron in einem hohen Anteil der Sequenzierungen nachweisbar. Diese neue Omikron-Variante ist in Deutschland erst selten nachgewiesen. In Dänemark vermutet man eine noch höhere Virulenz dieser Mutanten, also sie ist noch ansteckender. Möglicherweise umgeht diese Mutante noch besser einen erworbenen Immunschutz durch Genesung oder Impfung. In Dänemark finden sich bisher keine Hinweise für einen schwereren Verlauf nach Infektionen mit BA.2.

Der Infektionsverlauf scheint wie bei BA.1 mit geringerem Vordringen in die Lunge verbunden zu sein, die Symptome von beiden Omikron-Varianten sind deutlich geringer als bei Delta. Bisher geht man davon aus dass Patienten die kürzlich genesen sind oder vollständigen mit Boost geimpft sind einen Schutz vor einer Omikron-Infektion von etwa 70 Prozent haben. Auch bei einer Infektion ist bei dieser Personengruppe der Verlauf deutlich milder als bei Ungeschützten.

Bei Menschen mit bereits länger zurückliegender Impfung oder durchlaufener Infektion besteht oft nur noch ein geringer Titer von neutralisierenden Antikörpern. Der Sofortschutz vor einer Infektion ist vermindert. Durch eine aber weiterhin vorhandene langlebige T-Zell Immunität setzt diese Immunantwort durch Gedächtniszellen, den T-Lymphozyten, verzögert ein, kann aber dann sehr schwere Verläufe in den meisten Fällen doch noch verhindern.

 

 

Schnelltest-Versagen – bei Omikron?

Die  meisten Schnelltests sind auch für Omikron sensitiv, wie auch bei Delta – aber erst bei höherer Viruslast. Bereits niedrigere Viruslast zeigen dagegen PCR-Tests an. Wie gut die handelsüblichen Schnelltests Omikron detektieren, das kann man aktualisierten Tabellen des Paul-Ehrlich Institutes entnehmen. Da sich Omikron wohl in höherer Menge im Rachen als in der Nase nachweisen lässt, ist eine Probe aus dem Rachenraum empfindlicher – und kann eine bestehende Infektion genauer erkennen.

 

Dieter Mainka

30.01.22

 



30.01.2022

Dieter Mainka

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