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Ruth Wodak verweist auf den neuen „Corona Wortschatz“

Nicht nur in Österreich erinnern Wörter wie Maskenpflicht oder Kontaktsperre an dunkle Zeiten des Wortschatzes. Diskursforscherin Ruth Wodak aus Wien erläutert die Zusammenhänge – unserer Wörter.

Zeiten ändern sich. Wien, Österreich und die Diskursforschung auch: Wörter und damit unser Wortschatz auch. „Zum einen haben wir eine Krise und zum anderen wird diese durch ein neues Vokabular begleitet“, sagt Wodak. Sie fährt fort, dass man aktuell über die „Reproduktionszahl“ diskutiert oder sich fragt, wie lange „Social Distancing“ noch nötig ist. Oder ob und wie die „Maskenpflicht“ nützt oder sich „Risikogruppen“ besser schützen lassen. Vor allem stolpert Ruth Wodak über den Begriff „Herdenimmunität“. Dieser lässt seltsame Konnotationen zu, zum Beispiel ob wir nun nur noch alle als Tiere wahrgenommen werden.

 

Diskursforscherin Ruth Wodak aus Wien verweist auf den neuen Corona Wortschatz mit Wörtern wie Maskenpflicht oder Kontaktsperre in Österreich und Europa.

Diskursforscherin Ruth Wodak aus Wien verweist auf den neuen Corona Wortschatz mit Wörtern wie Maskenpflicht oder Kontaktsperre in Österreich.

 

Wie im Krieg

Daneben unterstreicht sie die allgemeine Kriegsmetaphorik. Angeführt wird von Ruth Wodak, dass es in den USA einen „War on Terror“ und einen „War on Drugs“ gab. Jetzt ist dort wie auch bei uns von einem „War on Virus“ die Rede. Wir befinden uns im Krieg, so oder ähnlich sagte es der  französische Präsident Emmanuel Macron. Jedoch klingt das für die Sprachwissenschaftlerin ganz so, als würden wir uns mit einem Heer im Krieg befinden.


Das sagt die Diskursforschung:
Merkel spricht mild und sachlich über Corona

Jedoch hat das beschriebene wortwörtliche Säbelrasseln in Deutschland nicht sonderlich verbreiten können. Zum Glück könnte man sagen, zumindet spricht der Linguistin zufolge Kanzlerin Angela Merkel einen sachlichen und reflektierenden Wortschatz bezüglich Corona. Hingegen sieht es beim direkten Nachbarn Österreich schon etwas anders aus, da wird beispielsweise von „Body Politics“ gesprochen und somit die Nation als ein Körper aufgefasst, der nun geschützt werden müsse.

 

 

Diskursforscherin Ruth Wodak aus Wien verweist auf den neuen Corona Wortschatz mit Wörtern wie Maskenpflicht oder Kontaktsperre in Europa

 

Fridays for Future
und die Parallelgesellschaften

In einem Interview mit der Wiener Zeitung im September 2020 nimmt die Sprachwissenschaftlerin Stellung zur Jugendbewegung „Fridays for Future“. Jugendliche weltweit haben hier eine Plattform geschaffen, welche über ein Thema kommend einen neuen Zusammenhalt herstellt. Ähnliches gilt auch für „Black Lives Matter“. Insgesamt, so Ruth Wodak, sind wir aber mit widersprüchlichen Phänomenen konfrontiert und es droht ein Auseinanderfallen der Gesellschaft. Die wiederum wünschenswerte Zusammenführung beginnt mit einem gemeinsamen Diskurs, was das wichtigste Mittel ist, „um Parallelgesellschaften entgegenzuwirken“.

 

Wien, Österreich und international:
Ruth Wodak über das politisch Neue oder Nichtneue an der Pandemie

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Ruth Wodak sieht in diesem Film von April 2020 zuerst einmal in der Krise das Ungewohnte, denn Inhalte sind wieder wichtig geworden. Es geht um Fakten, Analysen und Prognosen. Aber nach dieser durchaus freigeistigen Feststellung, fragt sie, wie die Inszenierung der neuen Lage und der diesbezüglichen Regeln politisch auszusehen hat.

Diskussion und Diskursforschung – über die Sprache in Zeiten von Corona

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Chinavirus, Quarantäne oder Systemerhalter? In dieser Diskussion mit der Sprachsoziologin Ruth Wodak, dem Kommunikationswissenschaftler Jörg Matthes sowie Politikberater Thomas Hofer geht es um die politische Sprache in Zeiten von Corona.

 

21 Million Lights

Ruth Wodak

Ruth Wodak (* 12. Juli 1950) ist eine österreichische Sprachwissenschaftlerin. Sie war Professorin für Sprachwissenschaften an der Universität Wien und Lancaster University. Darüber hinaus gilt sie als eine der bekanntesten Vertreterinnen der kritischen Diskursanalyse.

 

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