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Ferdinand von Schirach, Alexander Kluge: Trotzdem

Von „Intellektuellen“

Was wir da haben? Ein Büchlein von klugen Denkern, die sich im März 2020 über Demokratie, Notstandsgesetze, Grundrechte und auf ein wünschenswertes Ende von Barbarei der vergangenen Jahrhunderte brillant unterhalten. Bis September 2020 hat die Demokratie bisher gut gehalten, das Buch brauchte jetzt eine Fortsetzung des Dialogs.

Salopp gesagt geschieht folgendes: Zwei Männer erzählen sich im März 2020 gegenseitig Geschichten und Hintergründe über Grundrechte, die Corona-Epidemie und ihre mutmaßlichen Folgen. Das Virus wird als klassenlos beschrieben und der Monat März als Stunde der Feldherren. „Die Kanzlerin kann jetzt auch nicht zögern“. Daneben wird erwähnt, dass in Deutschland niemand sehen möchte, wie Tote mittels Gabelstaplern oder Militärfahrzeugen abtransportiert werden. Und was noch? Die Autoren spielen mit ihrem Wissen zur Weltgeschichte. Kluge ist Filmemacher und Jurist.

Was Schirach und Kluge verbindet

Von Schirach ist Strafverteidiger und bekannter Schriftsteller. Alexander Kluge ein intelektueller Tausendsasser. Aus eins plus eins wird auf diese Weise mehr als zwei. Insofern unterhalten sich die beiden mal über den Gang nach Canossa und wenig später über die Geschichte der Grundrechte. Daneben muss gesagt sein: Das Buch ist „alt“. Daher ist es spontan entstanden und es ist zu unterstreichen, dass es gut überlebt hat. Das wissen wir zumindest jetzt im September 2020, wo diese Zeilen geschrieben werden. Dass man ohne Einsatz der Notstandsgesetze auskommt, war für die beiden daher im März nicht so klar.

Eine kurze Zusammenfassung

Darüber hinaus werden aber auch bleibende Themen brillant angesprochen – wie etwa, das Recht der Menschen nach Glück zu streben. Und vielleicht lässt sich die Message des Buches in etwa so zusammenfassen: Die Barbarei der früheren Jahrhunderte könnte jetzt enden, wenn wirtschaftliche Interessen hinter den universalen Menschenrechten zurücktreten müssten und der Anspruch auf eine intakte Umwelt für alle Menschen festgeschrieben würde.

Trotzdem
Ferdinand von Schirach, Alexander Kluge
Luchterhand, 8 Euro
4/2020
75 S.

Ferdinand von Schirach

Ferdinand von Schirach wurde 1964 in München geboren und ist ein deutscher Strafverteidiger und Schriftsteller. Ein Teil seiner Vorfahren nahm auf unterschiedlichste Weise prominente Positionen im dritten Reich ein. Ferdinand von Schirach gilt heute als einer der anerkanntesten deutschen Schriftstellern der Gegenwart, seine Bücher erschienen in mehr als 40 Ländern.

Alexander Kluge

Alexander Ernst Kluge wurde 1932 in Halberstadt geboren. Er übte eine ganze Reihe von Berufen aus – wie Filmemacher, Fernsehproduzent, Schriftsteller, Drehbuchautor, Philosoph sowie Rechtsanwalt. Mithin gilt er als einer der vielseitigsten deutschen Intellektuellen. Als Autor wurde er durch seine Mitgliedschaft in der Gruppe 47 bekannt. 1987 gründete er die Produktionsfirma der dctp. Damit gelang es ihm, unabhängige Programme im deutschen Privatfernsehen unterzubringen.

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Autor dieses Artikels: Dieter H. Mainka

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