Informationen und Impulse für das Corona-Zeitalter
 

Boyle paddelt in Zeiten von Corona

Sommer 2o2o: Zuerst einmal geht es T.C. Boyle recht gut. Er lebt irgendwo in einer bergigen Gegend und sein Kajakverleih hat wieder geöffnet. Selbst die Sorge, dass dann dort jemand die Paddel zuvor berührt hat, diese möglicherweise Coronaviren aufweisen, belächelt er milde.

Daneben freut sich einer der berühmtesten Schriftsteller unserer Zeit, dass er alle Rechnungen bezahlen kann und nebenbei sogar mehr arbeitet als zuvor. Also schriftstellerisch. Die Rechnungen wollen schließlich ja auch in Zukunft bezahlt werden. Und etwas Ähnliches wie Corona hat man ja auch schon 2018 erlebt. Damals war das eigene Dorf von einem Erdrutsch verwüstet. Außerdem hat der Schriftsteller im Interview mit  news.at noch mehr zu erzählen, was wir hier nicht vorenthalten wollen.

 

Prinzipiell macht sich T.C. Boyle Sorgen…

… darüber, dass man sich erst sicher fühlen wird, wenn ein Impfstoff gefunden ist. Und dann ist da noch das wirtschaftliche Chaos. Viele kleinere Betriebe werden das seiner Meinung nach nicht überstehen. Aber ein wenig mehr als nur ein Schimmer der Hoffnung ist der Umstand, dass seine Stammbars bereits wieder geöffnet haben. Der ironische Leser würde dem jetzt noch ein „Prost T.C“ hinzufügen. Aber warum eigentlich nicht glücklich sein, dass zum Teil die Welt wieder angenehm geworden ist?

 

… ich schreibe nicht, damit sich meine Leser gut fühlen, sondern um gewisse Dinge zu erforschen.

T.C. Boyle

 

Und dann ist da noch eine Kurzgeschichte …

… eine, die Boyle bereits 2018 schrieb. Diese Geschichte erinnert aus heutiger Sicht verblüffend an diese Pandemie namens Corona. Das Ganze nennt sich dann „Der Flüchtling“ und beschreibt einen lungenkranken Mann, der sein Haus nur noch mit Maske verlassen darf. Dies muss sein, denn ansonsten könnte er andere anstecken. Aber schließlich besucht er dann doch ohne besagten Mundschutz eine Bar. Letzteres führt dazu, dass er schließlich von der Polizei verfolgt wird. Ja, das klingt spannend und vor allem erinnert es an unsere Gegenwart, mit dem einen Unterschied, dass jene Lungenkrankenheit heute Covid-19 heißt. „Der Flüchtling“ ist also sehr aktuell geworden.

 

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Wilde Tiere und Corona

Es sei noch gesagt, bevor der Protagonist jener Kurzgeschichte erkrankt, verdient er sein Geld mit dem Töten von wilden Tieren. Die Krankheit in der Geschichte ist also eine Art Rache der Natur am Menschen. Das könnte man nun von Corona auch behaupten und T.C. Boyle scheint dieser Gedanken ebenfalls nicht fremd zu sein, zumindest wendet er an dieser Stelle nichts Gegenteiliges ein – außer vielleicht, man solle nicht vergessen, dass sein schriftstellerisches Hauptinteresse „dem Verhältnis von Tier und Mensch“ gilt. Er verweist auf seinen Roman „Freund der Erde“ wie auch auf eine Geschichte namens „After the Plague“.

Aber schließlich zieht T.C. Boyle dann doch ein Fazit zur weltweiten Situation: Danach haben wir uns Covid 19 selbst zugefügt, „weil wir nicht im Einklang mit der Natur leben. Und jetzt kommt das zurück, um uns zu beißen“. Nach T.C. Boyle degradiert und entwertet Corona das menschliche Leben, das sagt er nicht nur so, sondern es macht ihm irgendwie auch selbst zu schaffen. So fügt er an, „… ich schreibe nicht, damit sich meine Leser gut fühlen, sondern um gewisse Dinge zu erforschen. Wichtig ist, dass meine Geschichten bewegen und zum Nachdenken anregen.“ Ja, jeder, der ein Buch von T.C. Boyle gelesen hat, wird diese Aussage bestätigen.

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Der Schriftstseller liest auch selbst …

 

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… und zwar aus: „Sind wir nicht Menschen“

So lautet der Titel eines Kurzgeschichtenbands von T. C. Boyle. Darin nimmt uns der amerikanische Erzähler mit auf eine bewegte Reise in eine unheimliche Zukunft. Genauer gesagt wird darin ein phosphoreszierender Pitbull ein klavierspielendes Mikroschwein zerfleischen oder Genmanipulation macht es allen möglich, sich perfekte Kinder aus dem Katalog zu bestellen. Daneben kann man mit einer Relive Box in die eigene Vergangenheit reisen. Ja, richtig erkannt: Das Ganze ist böse, witzig und vor allem unterhaltsam.

 


Wie T.C. Boyle den neuen Präsidenten der USA sieht.



Biden steht seiner Meinung nach für demokratische Rechte. Daneben setzt sich dieser für Umwelt, Bildung und die Rechte von Frauen ein. Das alles sind Punkte, die Boyle für unterstützenswert hält. Und na gut, Biden ist alt, aber das war Trump auch. Wobei Boyle dem neuen Präsidenten zugute hält, dass sich dieser selbst als Platzhalter sieht. „Es gibt genügend junge, faszinierende Demokraten, die zum Beispiel Vizepräsident werden können“ – sagt zumindest T.C. Boyle. Er zumindest ist sich sicher, dass sich Biden kein zweites Mal aufstellen lassen wird.

 

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T. C. Boyle


Tom Coraghessan Boyle wurde im Jahr 1948 in Peekskill (bei New York City) geboren. Er zählt heute zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Zentrale Themen seiner Romane betreffen die gesellschaftliche Entwicklungen wie auch die Zerstörung der Natur. T. C. Boyle lebt mit seiner Frau in Santa Barbara in Kalifornien.

 

Corona, Pandemie und Covid-19.

 

 

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