Informationen und Impulse für das Corona-Zeitalter

Corona ist schon da. Aber der Urlaub kommt schließlich auch. Können diesen Politiker einfach so wegschließen? Zumindest erwartet ein mündiges Volk sinnvolle Regelungen. Ansonsten könnte man sich da ja an die Gelbwesten aus dem schönen Urlaubsland Frankreich erinnern.

 

Auch wenn man es kaum bemerkt, aber durch Deutschland oder sogar die gesamte Welt geht neuerdings eine unsichtbare Grenze – nämlich zwischen denen, die arbeiten und jenen, deren Arbeitskraft aktuell nicht gefragt ist. Das mag erstaunen, will nicht jeder sofort wahrhaben, aber muss nun einmal genauer betrachtet werden. Das Ziel unserer Analyse: Lösungen anzubieten, die es allen ermöglichen, den verdienten oder halt notwendigen Urlaub auch in diesem Jahr zu genießen.

 

Berufstätige mit Arbeit

Zuerst einmal sind da jene, die durcharbeiten dürfen: Genauer gesagt handelt es sich hierbei um etwa die Hälfte der Berufstätigen, die den Laden buchstäblich am Laufen halten – zum Beispiel mit Nahrung, Strom, Wasser, Öl, Gas, Müllabfuhr, Güterverkehr, im Medizin und Pflegeberich bei der Warenproduktion, den Medien, bei Behörden und Politik.

Nahezu alle erleben in der Coronakrise ihre Arbeitswelt in rascher Umstrukturierung mit geänderten Taktungen und neuen Sicherheitsmaßnahmen. Viele von dieser Gruppe haben jetzt sogar mehr Arbeit als zuvor. Sie erleben eine ungewohnte Verdichtung der Vorgänge, manche müssen rasche Änderungen der Arbeitsabläufe umsetzen, während die Unterbringung der Kinder zusätzlich stresst. Eh man sich versieht, tragen fast alle dieser Gruppe eine zusätzliche berufliche Last: Ständig der Gedanke an eine mögliche Infektion von einem selbst oder durch einen selbst. Plexiglasscheiben, Abstandsregeln, Masken, wechselnde Sicherheitshinweise und Anweisungen in nervöser Taktung von der verunsicherten Leitungsebene und der fehlende persönlicher Austausch mit physischer Anwesenheit von Kollegen machen alles noch belastender. Das alles bedeutet in Sachen Urlaub: Dieser ist im Sinne des Arbeitgebers zur Erhaltung der Arbeitskraft eigentlich sprichwörtlich verdient. Ja, er wird notwendig.

 

Die, die in Zwangspause mussten:

Die andere Hälfte der Berufstätigen hatten eine Zwangspause zu Hause mit Gehaltskürzung, Ängsten, Ohnmachtsgefühlen, ständigem Medienkonsum, täglichen Sondersendungen und einer frustrierenden Isolation. Sie bangen um ihren Arbeitsplatz. Oder sie erleben als Selbstständige eine völlig unverschuldete Demontage, eine unsichtbare Zerstörung ihrer Existenz. Dies alles geschieht sehenden Auges, wie gefesselt, ohne eigene Handlungsoptionen, eben mit totaler Ohnmacht. Ihre Wünsche sind anderer Art als „Urlaub“. Das nahezu durchgehend schöne Frühlingswetter 2020 mit außergewöhnlich sommerlichen Temperaturen und einem trockenem Kontinentalklima mit vielen besonders klaren Tagen konnten alle diese Menschen und ihre Angehörigen wenn überhaupt dann nur kurz und mit verbliebenen gemischten Gefühlen wahrnehmen. Die dritte Wanderung unter blauem Himmel und milden Sommertemperaturen ist mit Ängsten im Bauch eben keine richtig schöne Wanderung. Zudem ist die Isolation zu Hause auch keine freiwillige Atlantiküberquerung mit Ehepartner oder Familie allein auf einer Segeljacht. Die Zeit zur freien Verfügung ist durchsetzt von schwelender Ungewissheit und der Optimismus ist nach den ersten Verlängerungen verschiedener Schutzmaßnahmen durch die Regierung verflossen. Ach so, daneben schmilzt die Urlaubskasse bei so manchem viel zu rasch. Aber auch dieser Teil der Bevölkerung braucht einen Tapetenwechsel, eine Veränderung des Aufenthaltsortes, ein positives Signal. Positivurlaub vom Zwangsurlaub. Okay, das muss dann nicht gleich morgen sein, aber im Herbst 2020 wäre es dann schon angebracht.

 

(Bildquelle Pixabay)

 

Urlaub 2020 als erste Lösung.
Oder Orangewesten als zweite?

Der letzte Satz bedeutet: Urlaub verschoben auf die Herbsttage. Hier findet sich der Lösungsansatz. Durch verschobene Urlaubszeiten mit Entzerrung können neue sinnvolle Schutzregeln auch am Urlaubsort umgesetzt werden. Eine Impfung für alle kommt, wenn erst in 2021. Daneben greifen die Medikamente nicht gut, womit das Thema Corona für das Jahr 2020 bleibt.

Die Erkenntnisse über Infektionswege und sinnvolle Schutzmaßnahmen werden rasch präziser, und im Mai 2020 wird die Europäische Union ein Szenario für die Grenzregelungen innerhalb Europas für den Spätsommer 2020 entwerfen, Ende Mai 2020 wird sich auch die weitere Infektionsentwicklung nach Lockerung der Schutzmaßnahmen zu Anfang des Monats zeigen. So wird sich im Juni 2020 der Maßnahmenstatus gegen SARS-CoV-2  in den europäischen Ländern aneinander annähern.

Die Regelungen zu Grenzübertritten zwischen einzelnen europäischen und auch den außereuropäischen Ländern werden klarer definiert sein. Falls die Politiker nicht ganz plausible wissenschaftliche Gründe für anhaltende Grenzschließungen anführen können werden sich die Völker in Demokratien nicht weiter einsperren lassen. Orangenwesten vielleicht linkslastiger könnten sonst dem Vorbild der französischen Gelbwesten 2018 und 2019 folgen und Regierungshandlungen einfordern. Politiker in NRW, Bayern, Österreich, Italien und der Schweiz sind nach ihrem primären Versagen mit verzögerten Reaktionen während des massenhaften Infektionsausbruches Infekts in ihren Urlaubsregionen oder nach Freizeitveranstaltungen jetzt zu einer raschen  wissenschaftlichen Analyse der Ansteckungswege während dieser Infektionsausbrüche im Februar 2020 verpflichtet.

 

Learning from Ischgl

Auch die Veranstalter von Schiffsreisen wie auch die Verantwortlichen einzelner Urlaubsorte wie Ischgl sollten ihre Dokumente über Prozeduren für Studien vollständig offenlegen müssen. Z.B. wie wurden Gläser und Geschirr gespült, wie waren die Filter der Klimaanlagen beschaffen, wie die Belüftungswege von Veranstaltungsräumen und Hotelzimmern. Wo wurde Personal mit Erkältungen weiter eingesetzt und mit welchen Auswirkungen. Die Skiläufer haben sich SARS-CoV-2 ja nicht über Fahrtwind auf der Piste, und die Schiffsreisenden nicht durch den Seewind an Deck eingefangen. Bekannt ist zumindest der Infektionsort, nicht der genauere Infektionsweg. Erfolgte die Infektion in den Gondeln, etwa über Aerosole, im Sessellift über die Bügel als Schmierinfektion oder am Nachmittag und Abend in den Bars über Aerosole oder unzureichend gespültes Geschirr? Oder sogar über die Klima- und Umluftanlagen? Daneben sind Infektionen in der Sauna oder im Hotelpool vorstellbar. Hier hätten die österreichischen Behörden übrigens bereits einiges für die Welt analysieren können. Das geschah aber nicht, denn die mittlerweile hoch angesehenen Virologen waren bereits im März 2020 in heimischen Talkrunden damit beschäftigt, weitere Fortschritte der österreichischen Pharmaforschung zu diskutieren.

 

Bill Gates & Corona

Bill Gates und seine Ehefrau haben in den USA mit Milliarden Dollar aus ihrer Stiftung bereits eine Fabrik bauen lassen, die sieben verschieden Impfstoffe herstellen kann. Die jeweilige Erprobung ist bereits im Gange und letztlich sollen dann zwei dieser Impfstoffe in hoher Chargenzahl ausgeliefert werden. Das hört sich erst einmal gut an, nur leider ist es uns Menschen noch nie gelungen, gegen einen der bekannten Coronaviren einen Impfstoff herzustellen.

 

Die Aussichten für Europa & Urlaub

Wünschenswert für Europa: Eine tiefgehende Faktenanalyse und erst darauf Entscheidungen auf europäischer Ebene bis Anfang Juni 2020. Anschließend können Beschlüsse mit Bestimmungen für die einzelnen Urlaubsformen und Destinationen in Abhängigkeit von Risikozuordnungen gültig für ganz Europa mit genügenden Auslegungsspielraum für die einzelnen Mitgliedsländer getätigt werden. Das Ziel: Damit könnte jeder EU-Bürger die Optionen für Urlaub 2020 überprüfen, sein eigenes Risikoprofil und das der Urlaubslokalität einbringen und dann spontan planen.

Eine erhebliche Reduktion der Kapazitäten in vielen Urlaubsregionen wird also notwendig sein. Daneben sind die Ferienzeiten noch weiter auf die Monate Juli bis Oktober zu entzerren. Testungen auf Infektion unmittelbar vor Reiseantritt mit Testergebnisinfo für Grenzübertritte  erscheinen sinnvoll, für Risikopersonen sind besondere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Der gemeinsame Urlaub eine Familie die Antikörper negativ ist mit ihren Eltern über 70 Jahre erscheint problematisch wenn diese noch keine SARS-CoV-2 Infektion hatten. Spezielle Reisen für Ältere mit maximalen Schutzmaßnahmen sind möglich. Die Donauschiffsreise treten nur getestete Personen auf einem Schiff mit ständig zu testendem Personal an. Die Kosten werden als  Sicherheitsaufschlag in dem Reisepreis ausgewiesen. Kinder und Jugendliche fahren auf solchen Schiffen nicht mit. Ähnliches ist auch für Hotels denkbar.

Die einheimische Gastronomie und die in den Urlaubsregionen wird bestimmte Abstände von Tischen einhalten müssen und für Hochrisikogruppen können spezielle Bereiche ausgewiesen werden. Daneben erscheinen häufige Schnelltests auf SARS-VOV-2 bei Personal als sehr sinnvoll. Obergrenzen der Bestuhlung für Innenräume, und auch die Außengastronomie, z.B. 20 Plätze auf 100 qm. Stellfläche. Klimaanlagen von Hotels sind auf ihre Filterwirkung für SARS-CoV-2 zu überprüfen, neue  Wartungsintervalle bleiben festzulegen. Zwischen der neuen Bettenbelegung und dem Reinigungsvorgang in Hotels und Ferienwohnungen-und Häusern ist möglicherweise ein Sicherheitsabstand von mehr als 24 Stunden notwendig.

Weitläufige Strände und einsame ländliche Regionen sind unproblematisch , eng belegte Strände benötigen Abstandsregeln wie etwa 3 Meter zu nicht Familienangehörigen. Ebenso ist die Bestuhlung an Pools sinnvoll. Für schmale Wanderwege sollte eine Richtung ausgewiesen werden. Im Pool sind Abstandsregeln sinnvoll und eine Begrenzung der Gäste nach Beckengröße.  Buffet nur mit Service ohne Annäherung.

Das Reisen im PKW ist bei entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen auf Raststätten unproblematisch, aber auch nur dann, wenn keine Menschen aus der Risikogruppe mit anderen zusammen fahren, dort sind aktuelle Virustestungen auch vor der Rückreise sinnvoll. Die Infektionswahrscheinlich im PKW ist hoch anzusetzen. Bei Bussen, Zügen und Flugzeugen ist eine sichere Klimatisierung über Virus abhaltende Filter zu gewährleisten. Die Sitzplatzbelegung wird deutlich zu reduzieren sein, fremde haben weit auseinander zu sitzen. Strenge Hygiene im Toilettenbereich gehört selbstverständlich auch in diese Aufzählung.

 

Urlaub und Corona

(Bildquelle Pixabay)

 

Sinnvolle politische Vorgaben

Ja, die politischen Vorgaben müssten mutig angepasst werden. Nur dann können Grenzen bedingt geöffnet werden. Das Ganze ist aber leichter gesagt, als sinnvoll eingeleitet. Schauen wir hierzu einmal zurück: Nach den Anschlägen am 11 September 2001 mit vier koordinierten Flugzeugentführungen zu Selbstmordattentaten wurden Flughäfen auf der ganzen Welt zunächst gesperrt, die Politiker verhängten den Ausnahmezustand in den USA. In Deutschland patrouillierten Militärfahrzeuge und Panzer auf Straßen in der Nähe von Flughäfen. Ein von der Politik und von Militärs angeordneter Aktivismus ohne eigentliche Rationale. Eine  Machtdemonstration in der allgemeinen Ohnmacht. Kurz: Diese Militärkonvois außerhalb der Flughafengelände hätten keine weiteren Terroristen vom Besteigen eines Flugzeuges abhalten können.

So sind auch anhaltende Grenzschließungen im Mai 2020 zu verstehen. Die eigentliche absolute Grenzschließung zu China mit eindeutigen Quarantäneregeln hat die übrige Weltgemeinschaft im Januar 2020 aufgrund von Fehleinschätzungen der WHO, der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen und auch anderen Entscheidern verpasst. Später hat man dann infizierte europäische Bürger an der heimatlichen Rückreise nicht gehindert. Die Isländischen Behörden sollen für den Ausbruch der Pandemie in ihrem Land ganze 7 Skiläufer ausfindig gemacht haben.

Wenn die Chinesische Grenze früh problematisiert worden wäre hätte die Welt außerhalb Chinas mehr Zeit zur Entwicklung eines Impfstoffes  gewonnen, die Pandemie wäre später und langsamer gestartet und damit würden heute viele Menschen noch leben.

 

Bedingungen am Urlaubsort

Soziale Distanz. Im Shutdown haben wir gelernt, wie es geht. Eine gemeinsame Feinregulierung über App-Systeme und gegliederte Empfehlungen abhängig von Risikoprofilen wird es bis Juni in der EU nicht einheitlich geben, möglicherweise auch später nicht. Anfang Mai ist für Deutsche Bürger eigentlich nur die Grenze zu den Niederlanden frei passierbar, in den Niederlanden gilt kein Übernachtungsverbot für Ausländer. Nach gültigem Gesetz Stand 26.4.2020 sind Deutsche Bürger die sich länger als 3 Tage in den Niederlanden aufhalten aber anschließend zu einer Selbst-Quarantäne von 2 Wochen verpflichtet. Diese und andere Reiserestriktionen sind für einen Weg zur Normalisierung durch sinnvolle Reiseregeln zu ersetzen.

Infektionen gibt es auf beiden Seiten der Grenzen, in Europa sollten auf beiden Seiten auch bestimmte Grundsatzregeln oder Richtlinien gelten, die besonders die Risikogruppen vor Infektionen schützen. Diese Richtlinien sollten für alle Urlaubsregionen Pläne über den Umgang mit infizierten Reisenden enthalten. Wenn gesundheitlich vertretbar, sollte eine sofortige Rückreise in die Heimat mit speziellen Transportmitteln wie PKW geschehen, welche wiederum von Fahrern gesteuert werden, welche bereits über die jeweiligen Antikörper verfügen.

Die hier dargestellten Urlaubsszenarien lehnen sich an den Plan von unserer CFF, der Corona-Future-Family an. Das Ziel: Wir alle brauchen wieder mehr Bewegungsfreiheit und besonders die Kontakte, die Risikogruppen müssen aber kompetent und nach jeweils neuesten Kenntnissen mit viel Aufwand für Testungen geschützt werden. Dies vielleicht auch mit der App.

 

Autor: Dieter Herrmann Mainka
Internist, Onkologe und Geschäftsführer Corona Future

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