Frau, die eher eine Mischung aus Tier und Mensch ist

Dame von Übermorgen

Eine Skizze des Kommenden

Das Kommende ist nicht das Alte. Sonst wäre es nicht das Kommende. Und doch trägt es Spuren dessen, was war – verzerrt, verstärkt, verfremdet. Die Dame von Übermorgen ist ein solcher Hybrid: halb Mensch, halb etwas anderes, aber nicht im mythologischen Sinne. Kein Kentaur, keine Sphinx. Eher eine kybernetische Chimäre, ein Wesen des nächsten Anthropozäns.

Kommen wir zum Gegenstand – Verzeihung, zur Dame – dieser Betrachtung: Sie steht in einem Büro, dieser hochklimatisierten Binnenwelt menschlicher Selbstverwaltung, und doch sprengt sie mit ihrer bloßen Existenz die Logik dieses Ortes. Ein gewisser Herr Sloterdijk würde sagen: Sie ist die Verkörperung eines atmosphärischen Wechsels. Die alte Kapsel, das Büro als hermetischer Raum, wird porös. Etwas Fremdes sickert ein, verändert die Temperatur des Denkens.

Es betritt nie neutral die Zukunft die Bühne. Vielmehr ist Zeit eine Mutation einer Begebenheit – und dies im Sinne des Wortes, im Sinne der Gestalt und im Sinne dieser Welt und aller anderen. Das Kommende verhöhnt nicht selten den albernen Ernst der Gegenwart mit seiner eben noch wahrhaftigen Unwahrscheinlichkeit. Die Dame von Übermorgen hat vielleicht schillernde Augen, einen zu ruhigen Atem, eine Haut, die Licht bricht wie ein Prisma. Sie ist bereits posthuman, aber nicht posthum. Vielleicht schaut sie uns an und fragt sich, warum wir noch so sind, wie wir sind.

Um zum Schluss zu kommen – und damit zum nicht enden Können des Kommenden: Es, das Kommende, ist immer überraschend. Aber am meisten für die, die es nicht erwartet haben.