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Julian Nida-Rümelin – setzt auf Technik

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Der Philosoph sieht die Länder Südkorea und Taiwan als Vorbilder im Kampf gegen die Coronavirus-Ausbreitung.

Der Münchner Philosoph Julian Nida-Rümelin fordert ein „möglichst rasches“ Ende des Shutdowns. Für ihn steht das Erreichen eines Zustands der Freiwilligkeit an erster Stelle. Dies sieht der ehemalige Kulturstaatsminister eben auch politisch. So betont er, dass ein Großteil der Grundrechte mit einem Shutdown außer Kraft gesetzt werden. Konkret empfiehlt er eine schrittweise Rückkehr zur gesellschaftlichen Normalität. Hierbei wäre ein sogenanntes „Cocooning“ von Risikogruppen mit eingeschlossen ist.

Als Vorbildliche Beispiele führt er im Handelsblatt die ostasiatische Demokratien Südkorea und Taiwan an. Diese zeichnen sich durch eine „Schutzmaskenkultur“ aus und nutzen bereits Technologien des Handytrackings. Julian Nida-Rümelin untermauert seine Empfehlungen mit dem Hinweis, dass der normale Bürger viele Daten bereits heute an Facebook und Google gibt.

Konkret empfiehlt er, „jetzt Daten zur Krisenbekämpfung vorübergehend dem Staat zur Verfügung stellen“. Diese sollten dann aber anonymisiert werden, während die Nutzung einer entsprechenden App freiwillig wäre. Nach Julian Nida-Rümelin ist das, was Menschen an solchen Apps verängstigt, der Umstand, dass der Staat sie dann verfolgen kann. Er verweist jedoch darauf, dass es heute verlässliche Anonymisierungsverfahren gibt. Somit erfährt der Staat zwar, wo sich eine infizierte Person aufhält, aber weiß nicht, um wen genau es sich dabei handelt.

 

Geopolitischen Folgen

Laut Nida-Rümelin kann es passieren, dass westliche Staaten die Krise ökonomisch, sozial und gesundheitlich schlecht bewältigen. Bei manchen ostasiatischen Staaten wird hingegen das Gegenteil der Fall sein wird. Er verweist darauf, dass jedoch mit Südkorea und Taiwan hier von gut funktionierenden Demokratien die Rede ist. In diesem skizzierten Szenario wäre dann das bessere asiatische Ergebnis eher kulturell als ideologisch erklärbar. Die ostasiatische Form, Solidarität einzufordern, Freiwillige zu mobilisieren, funktioniert in einer solchen Krise besser als der westliche Individualismus.

 

Verweis auf die Migrationskrise

In einem Interview mit dem ZDF vom 13.06.2020 betont Julian Nida-Rümelin, dass man gerade in der Krise nicht den Fehler machen sollte, das Meinungsspektrum zu verengen. „Das macht Demokratie aus, dass sie Differenzen aushält und erst mal alle einbezogen sind – auch diejenigen, die weit abweichende Auffassungen … vertreten“ fügt er an. Seiner Meinung nach, darf niemand ausgegrenzt oder abgewertet werden. Schließlich hat man ja sin der Migrationskrise bereits diese Erfahrung gemacht hat, „zu was das führt“. Seines Erachtens gab es eine klare Zweiteilung, welche einerseits aus Rechtgläubigen bestand und auf der anderen Seite aus Kritikern. Er betont, dass die damaligen Ereignisse und Grabenkämpfe bis heute nachwirken. Wiederum sollte eben das in der Corona-Krise nicht noch mal passieren“.

„Es darf keinen zweiten Lockdown geben“

Anfang August (2020) spricht sich Julian Nida-Rümelin in einem Interview mit der Augsburger Allgemein strikt gegen einen zweiten Lockdown aus. „Das Ziel sollte sein, die Sterberate von Covid-19 deutlich unter die der saisonalen Grippe zu drücken“, betont der Philosoph.

Daneben verweist er darauf, dass man nicht vorbereitet war. Und dies, obwohl es genügend Gründe genau dafür gegeben hat. Besonders heftig kritisiert der französische Philosoph dabei die anfänglichen Warnungen vor Alltagsmasken. Dies geschah seiner Meinung nach vor allem, damit noch genügend Masken für die Mediziner zur Verfügung standen.

Wenn man so will, dann lautet sein Credo, dass der Statt seine Bürger nicht anlügen darf. „Das fällt immer auf einen zurück“, betont er und schließt mit der Erkenntniss: „So etwas zerstört die Grundlagen der Demokratie.“ – betont er.

 

Julian Nida-Rümelin

 

Julian Nida-Rümelin (* 28. November 1954) lehrt als Philosoph seit 2004 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er war zudem Kulturreferent in München und Kulturstaatsminister der deutschen Bundesregierung. Weitergehende Informationen finden Sie auf seinem Internetauftritt.

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