Informationen und Impulse für das Corona-Zeitalter
 

Slavoj Žižek erkennt einen anhaltenden Zusammenbruch

Der slowenische Philosoph beschrieb es in Büchern und jetzt kommt sie näher, jene postapokalyptische Zeit wie sie sonst nur Hollywood-Produktionen anbieten. Dabei stellt er heraus, dass die aktuelle Epidemie über einen unapokalyptischen Charakter verfügt.

Slavoj Žižek schlussfolgert in einem Artikel in der Welt, dass zwar unsere Welt zusammenbricht, aber dass sich dies hinzieht. Er stellt zudem fest, dass sich die aktuelle Realität nach keinem Filmskript richtet. Es müssen also dringend neue Drehbücher, Geschichten her. Diese sollen dann die Richtung vorgeben, in welche sich die Menschheit hin bewegen soll. Vielleicht, so der Philosoph, sollten wir akzeptieren, dass wir auch weiterhin in einer „viralen Welt“ leben – werden. Und damit einer, die bedroht bleiben wird, denn selbst ein erfolgreicher Impfstoff kann nicht verhindern, dass bald schon die nächste Pandemie auf uns zukommen könnte. Das alles sagt der Star der europäischen Philosophie und verweist dann, auf unsere US-amerikanische Kulturschmiede in Kalifornien mit den Worten: „Was wir jetzt brauchen, ist Hoffnung am Horizont, was wir brauchen, ist ein neues postpandemisches Hollywood.“

Dazu passt noch eine weitere Aussage, welche sich in der NZZ von ihm findet. Dort erklärt Žižek seine erste Regel für die kommenden Corona-Zeiten. Danach ist es nicht die Zeit, nach irgendeiner spirituellen Authentizität zu suchen, sondern halt jene, um sich als Gesellschaft „mit dem ultimativen Abgrund“ des eigenen Seins zu konfrontieren. Da bleibt noch hinzuzufügen, dass Corona bekanntlich gekommen ist, um zu bleiben – womit dann so mancher osteuropäische Philosoph genügend Zeit finden wird, seine eigenen Regeln gedanklich wieder und wieder in einer Art Remote-Modus durchzugehen. Wir wünschen dazu noch eine gute Gesundheit. Geistig wie körperlich.

 

Interview:
Der slowenische Denker und Philosoph Slavoj Zizek sieht die Notwendigkeit großer Veränderungen

Der Philosoph diskutiert verschiedene Coronavirus-Reaktionen der weltweiten Regierungen. Prinzipiell wird hier wie ja auch sonst in seinen Büchern ein düsteres Zukunftsbild aufgezeichnet. Vor allem macht Zizek den Punkt als kritisch fest, an dem das betreffende Land wieder „hochgefahren“ werden soll. Er prophezeit, dass dies nicht so ohne Weiteres gelingen wird. Im Gegenteil, seines Erachtens könnte das Gesamtsystem der ökonomischen Welt kollabieren. Daher empgiehlt er irgendeine Form von Kommunismus.

 

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Die neue soziale Distanz

Soziale Distanz. So lautet nach dem slowenischen Philosophen Zizek das Oberstes Gebot der neuen Corona-Welt. Demgegenüber wird das digitale Netz umso engmaschiger. Der Philosoph gibt September 2020 auf Welt-Online zu bedenken, dass auf dem Spiel nicht weniger als die Freiheit unserer Gedanken steht. Seiner Meinung nach sind „Ideologen wie Elon Musk“ bereit, sie preiszugeben. Zizek kritisiert eindeutig diesen Unternehmer samt seiner Firma Neuralink, welche Produkte entwickelt, die Informationen zwischen Neuronen und Smartphones übermitteln können. Dabei zieht der Philosoph den Vergleich zur Elektroschocktherapie, welche 1938 vom italienischen Psychiater Ugo Cerletti entwickelt wurde. Nachdem dieser erkannte, dass man damit Schweine gefügiger machen kann, wendete er das Verfahren an Menschen an.

 

 

chinesische Mauer im Frühjahr

Die neue Parole: China folgen

Die Coronakrise scheint Ende 2020 zum ersten Mal auf eine Spitze zuzutreiben und Slavoj Žižek erklärt genau in diesem Moment das Verhalten der meisten Regierungen dieser Welt als faschistisch. Interessanterweise tut er dies im Oktober 2020 auf RT, dem staatlichen Auslandssender Russlands. Daneben erstaunt erst die Headline des Ganzen: „Der beste Weg, den Kommunismus zu verhindern, ist, China zu folgen“. Das dauert, bis man versteht, dass man scheinbar nur noch die Wahl zwischen Faschismus, Kommunismus oder etwas leicht anderem hat.

Logiques des mondes

Später, im Mittelteil des Texts, geht der Starphilosoph mit dem selbstbewussten Sprachfehler detaillierter in die Tiefe. Genauer gesagt werden die „Logiques des mondes“ von Alain Badiou zitiert. Danach besteht die Idee der Politik der revolutionären Gerechtigkeit aus vier Momenten: Dem Voluntarismus und damit einem Glauben, der „Berge versetzen“ kann. Letzteres indem objektive Gesetze und Hindernisse ignoriert werden. Zweitens kann der ausgeübte Terror jeden Feind zermalmen. Daneben ist als dritter Punkt die prompt ausgeübte egalitäre Gerechtigkeit zu benennen. Last but not least  ist das Vertrauen des Volks zu erwähnen.

Was man noch wissen sollte? Jener Alain Badiou ist ein marxistisch orientierter Philosoph. Lange galt dieser als der führende Kopf des französischen Maoismus. Warum nun Slavoj Žižek sich auf dessen Theorie konzentriert ist eigentlich einfach zu beantworten: Denn dessen Thesen werden gerade international umgesetzt. Slavoj Žižek bemerkt dazu lapidar: „Die Liberalen haben Recht mit ihren Ängsten. Die Staaten werden nicht nur gezwungen, neue Formen der sozialen Kontrolle und Regulierung einzuführen, sondern die Menschen werden sogar aufgefordert, Familienmitglieder und Nachbarn, die ihre Infektion verheimlichen, bei den Behörden anzuzeigen.“

 

Trump ist kein Diktator, er spielt nur einen

 

Für Slavoj Žižek bleiben am Ende zwei Schlussfolgerungen: Danach spielt Trump nur einen Diktator. Allerdings einen, dessen Strategie darin besteht, „den liberalen Zorn zu provozieren, der große Aufmerksamkeit erregt, und dann, außer Sichtweite der breiten Öffentlichkeit, Maßnahmen durchzusetzen, die die Rechte der Arbeitnehmer einschränken usw.“ Das kann man zwar anzweifeln aber eben auch schlecht widerlegen. Daneben ist die zweite Schlussfolgerung eine, die sich im Herbst 2020 regelrecht aufdrängt. Žižek spricht von einem Establishment, das von apokalyptischen Szenarien besessen ist. Und er weist darauf hin, dass eine Welt zuende geht und eine neue möglich. Punkt.

 

 

Die Pandemie als eine Probe für eine wirkliche Krise

In einem Interview Anfang Dezember 2020 mit der Berliner Zeitung bezeichnet Slavoj Zizek die Pandemie als eine Probe für eine wirkliche Krise. So beginnt denn besagtes Interview auch dramatisch: „Wir haben in Slowenien momentan bis zu 50 Covid-19-Tote pro Tag. Wenn man das auf die Größe meines Landes bezieht, haben wir eine der schlimmsten Todesraten der Welt.“ Slavoj Zizek gibt dann auch unumwunden zu, dass ihn all dies depressiv macht. Die Impfung, wenn sie denn in Slowenien kommt, wird er sofort vornehmen, denn er gehört zu den Gefährdeten.

Auf die Frage, inwieweit kulturelle Einflüsse für die Verbreitung des Virus sorgen, wie etwa der Begrüßungskuss der Franzosen, zeigt er sich reserviert. Schließlich explodieren die Zahlen mal in Polen und dann sogar in Deutschland. Er selbst findet dafür keine Erklärung. Und auch wenn die Chinesen im Dezember 2020 gut dastehen, impliziert das doch nicht die Überlegenheit von deren System, glaubt er. Zizek verweist hier auf das westlich orientierte Taiwan wie auch Australien und Neuseeland, welche auch „einen sehr guten Job“ machen.

 

Da war eine perverse Lust mit im Spiel

Auf die Frage nach den USA, wo im Sommer 2020 die Black-Lives-Matter-Proteste sich in den Vordergrund drängten, antwortet er recht originell, dass dort die alten Freund-Feind-Schemata halt noch gut funktionierten. „Da war eine perverse Lust mit im Spiel.“ Letztlich endet das immer wieder sehr originelle Interview noch düsterer. Er verweist zitierend auf den französischen Philosophen und Soziologen Bruno Latour: „Diese Pandemie ist nur eine kleine Probe für die wirkliche Krise, die später noch kommt: andere Viren, globale Katastrophen und vor allem – die Erderwärmung.“

 

Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek will die liberale Demokratie ändern

 

 

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In vielen seiner Bücher ist es bereits Thema: Der Philosoph glaubt, dass die liberalen Institutionen im Westen den Kontakt zur Öffentlichkeit verloren haben. Im Interview belegt er seine Forderung durch eigene Beobachtungen.

 

Landschaft, Slowenien, slowenisch der Fluss – wie aus der Heimat des Slavoj Žižek

Verantwortung auf Slowenisch

Kurz vor Weihnachten 2020 veröffentlichte die NZZ ein Essay von Slavoj Žižek, welches sich um den Themenbereich Weihnachten und Pandemie dreht. Der Philosoph erweist sich dabei als durchaus religionskundig wie eben auch -verständig. Vor allem geht es ihm um die Frage, wie Jesus den Menschen in schweren Zeiten beisteht – und warum denn Gott nicht einfach eingreift in die Gefahrenlage von Menschen.

 

Nach Žižek handelt der moderne Christ verantwortungsbewusst – und dazu zitiert der Philosoph Jesus, der auf die Frage antwortete, wie man erkennen könne, ob er nach seinem Tod zurückkehren würde: „Wenn zwei oder drei von euch versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Diese Aussage interpretiert nun inmitten der Pandemie und wenige Tage vor Weihnachten Slavoj Žižek wie folgt: „Christus kehrt als liebende Verbindung zwischen seinen Jüngern wieder, nicht als höhere Macht, die sie vereint.“

 

Slavoj Žižek

Slavoj Žižek (* 21. März 1949) ist ein slowenischer Philosoph und zugleich einer der populärsten Denker der Gegenwart. Bekannt geworden ist er durch die Weiterentwicklung der Psychoanalyse Jacques Lacans, indem er dessen Theorien auch auf andere Felder wie Populärkultur, Gesellschafts- wie auch oder Kapitalismuskritik anwendet. Insgesamt wird sein Werk als in der Tradition von Hegel, Marx und Lacan stehend angesehen.

Link:
https://www.welt.de/kultur/plus207367475/Slavoj-Zizek-Alle-ab-zum-Ernteeinsatz.html

https://www.nzz.ch/feuilleton/coronavirus-tipps-von-slavoj-iek-zum-erfolgreichen-ueberleben-ld.1549876

https://www.welt.de/kultur/plus214875758/Slavoj-Zizek-Das-Zeitalter-des-Abstands-und-Elon-Musk-sein-Prophet.html

https://deutsch.rt.com/meinung/107577-der-beste-weg-kommunismus-zu-verhindern-ist-china-zu-folgen/

https://www.nzz.ch/feuilleton/slavoj-zizek-ueber-gott-jesus-weihnachten-und-corona-ld.1593524

 

 

 

 

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