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Der 17. Karmapa, König der Yogis im tibetischen Buddhismus, warnt vor missverstandener Angst

Trinley Thaye Dorje warnte bereits frühzeitig vor Corona. Sprach er in einer ersten Botschaft von einem weltweiten Change, so gibt er jetzt präzisere Empfehlungen.


Nachdem Trinley Thaye Dorje, beziehungsweise der 17. Karmapa, einleitend feststellt, dass sich das Coronavirus weiterhin auf der ganzen Welt verbreitet, kommt er recht zügig zu seiner Kernaussage: „Deshalb sollten wir alle – ohne Nervosität oder Panik – alle erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen und vorbeugenden Maßnahmen treffen. Allerdings ist die Kernkrankheit meiner Meinung nach sowohl ein Geist voller Angst vor der Krankheit als auch eine Tendenz, fälschlicherweise zu denken, dass wir niemals krank werden oder sterben sollten.” Im Anschluss an diese buddhistische Herangehensweise, führt er weiter aus: „Um solche Ängste und Missverständnisse zu vermeiden, ist es sehr wichtig, ständig über die vier großen Siegel nachzudenken. Ich möchte Sie alle ermutigen, sich diesen Rat zu Herzen zu nehmen. Meinerseits bete ich ständig zu den drei Juwelen und den Dharma-Beschützern und biete meine besten Bestrebungen für das Wohlergehen der Lebewesen an.”

 

Buddhismus, Corona und die Angst vor der Veränderung

Karmapa betont, dass aus buddhistischer Sicht, der Kern des Problems weniger in der veränderlichen Welt liegt, auf die wir ja angemessen reagieren können, sondern stellt einen weiteren Punkt in den Vordergrund: Die Angst vor der Veränderung an sich. Karmapa deutet somit die Möglichkeit an, sich die aktuelle Situation als Teil des persönlichen spirituellen Pfades zu erschließen. Hierzu verweist er auf die vier großen Siegel. Darunter kann man eine Art der Zusammenfassung der wesentlichen philosophischen Kernpunkte des Buddhismus verstehen.

Vielleicht als Hintergrundinformation: Sehr gut lässt sich mit den sogenannten „Vier Edlen Wahrheiten“ der Kern der buddhistischen Lehre zusammenfassen. Jedoch erfüllen die vom 17.Karmapa empfohlenen „Vier Siegel“ eben auch die gleiche Aufgabe.

 

Die vier Siegel der buddhistischen Lehre

Das erste Siegel lautet: „Alle Dinge verändern sich ständig.” Obgleich dies nahezu eine banale Feststellung zu sein scheint, ist es dennoch so, dass ein tieferes Verständnis hiervon den Menschen tatsächlich in die Lage bringt, Ängste in eine Form des Loslassens von diesen zu transformieren. Es gibt sozusagen immer ein Licht am Ende des Tunnels.

Das zweite s.g. Siegel besagt: „Emotionen sind leidvoll.” Damit wird gesagt, dass alles halt vergänglich ist und eine zu starke emotionale Hingabe letztlich nur zu Leid führt. Daher ändert eine solche Handlung nie etwas an einer Situation. Es ist im Übrigen ganz gleich, wie dramatisch diese einem persönlich erscheinen vermag.

Wiederum besteht das dritte Siegel aus der Aussage: „Die Phänomene unseres Erlebens haben keinen immerwährenden Gehalt.” Daher entsteht alles in Abhängigkeit und bedingt sich kausal. Emotionen und Dinge sind nie aus sich heraus gut oder schlecht. Letzteres ist durchaus universell zu verstehen. Stattdessen befindet sich alles in einem steten Wandel. Insofern sind Dinge und Emotionen auch nicht aus sich gehaltvoll, sondern durch unser eigenes Zutun.

Die Konsequenz dieser drei Punkte zusammengenommen bildet das vierte und letzte Siegel: „Zur Ruhe kommen bedeutet Frieden.” Es geht hier vor allem darum, anzuerkennen, beziehungsweise schlichtweg zu akzeptieren, dass Dinge sich beständig ändern. Das beinhaltet in seiner Konsequenz nicht allzu sehr an Ideen, Konzeptionen und Umständen festzuhalten. Man macht sich also mit der Tatsache vertraut, dass es nichts Verlässliches gibt, was aus sich heraus immerwährende Sicherheit bietet. Stattdessen wird der Fokus möglichst vom „Äußeren“ auf das „Innere“ gerichtet – also vom Vergänglichen zum letztlich Kontrollierbaren. Dies bedeutet zugleich in sich eine immer größere Freiheit zu erlangen – und dies Stück für Stück.

 

Eine freiere Interpretation des vierten Siegels

Hinzugefügt sei noch, dass es eben für diese so wichtige Freiheit viele Ausdrücke gibt. Ein Zitat des westlichen Denkers Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist, 1888) umschreibt diesen Umstand tiefsinnig: „Man sagt nicht „Nichts“: Man sagt dafür „Jenseits“; oder „Gott“; oder „das wahre Leben“; oder Nirvana, Erlösung, Seligkeit …“

 

Der 17. Karmapa Triney Thaye Dorje

Triney Thaye Dorje, geboren 1983 in Lhasa (Tibet), ist der jetzige 17. Karmapa. Er ist einer der wichtigsten Würdenträger innerhalb der Kagyü Schule des tibetischen Buddhismus. Angemerkt sei der nach wie vor bestehende Konflikt, wonach einige Jahre nach dem Tod des 16. Karmapa zwei Kandidaten bezüglich der Nachfolge gefunden wurden. Beide beanspruchen heute den Titel 17. Karmapa für sich.

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